Review

Hubert – Ein treuer Hund mit großer Geschichte

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Hubert cover

Ich wollte schon immer einmal wissen, wie Hunde wohl die Welt um sie herum erleben. Statt mit Schwert, Maschinengewehr oder magischen Fähigkeiten durch eine Fantasy-Welt zu ziehen, bietet mir Hubert, das neueste Abenteuer von Brocap Studio die Möglichkeit in die Rolle des gleichnamigen Hütehundes zu schlüpfen. Schafe zusammenzuhalten, unserer Besitzerin zu helfen und die wunderschöne Natur zu erkunden klingen ja eigentlich wie eine echt entspannte Jobbeschreibung. Zumindest so lange, bis ein paar Wölfe auftauchen und aus dem gemütlichen Hundeleben plötzlich ein deutlich ernsteres Abenteuer machen.

Mit Hubert, einem klassischen Third-Person-Adventure versucht das kleine tschechische Entwicklerstudio Brocap Studio, eine emotionale Geschichte über Freundschaft, Loyalität und die besondere Beziehung zwischen Mensch und Hund zu erzählen. Die Mischung aus Erkundung, einfachen Rätsenl und kleineren Geschicklichkeitseinlagen in der Tierperspektive erinnert vom grundsätzlichen Ansatz durchaus an Stray, wobei Hubert wesentlich stärker auf eine ländliche Umgebung und die alltäglichen Aufgaben eines Arbeitshundes setzt.

Ob die Idee ähnlich gut trägt wie bei Stray und katzenhaft aus der Masse emporspringt, oder ob dieser Titel am Ende dann doch hundsmiserabel ist, erfahrt ihr in meinem Review.

Entwicklerstudio: Brocap Studio

Publisher: Brocap Studio

Platformen: PC, Playstation

Releasedatum: 14.10.2026

Metacritic Userscore : n.A

Grafik: Ordentlich aber mit Schwächen

Grafisch gehört Hubert zu den Spielen die keinen Hehl daraus machen, dass hinter der Entwicklung kein riesiges Studio mit hunderten Mitarbeitern steckt. Der Look ist zwar durchaus ansprechend, kann allerdings nicht mit modernen Toptiteln mithalten. Nimmt man von Charaktermodellen abstand und genießt einfach die Landschaft und Umgebung, gibt es daran auch absolut nichts auszusetzen, da es hier sehr gut gelingt eine angenehme Atmosphäre, die zum abenteuern (ist das ein Wort?!) motiviert, aufzubauen.

Die Spielwelt besteht hauptsächlich aus weitläufigen Naturkulissen, Wäldern, Wiesen, felsigen Gebieten und kleineren landwirtschaftlichen Anlagen. Gerade die Kombination aus herbstlichen Farben, dicht stehenden Bäumen und einer gelegentlich fast schon malerischen Beleuchtung sorgt dafür, dass Hubert stellenweise wirklich hübsch aussieht. Besonders wenn Sonnenlicht durch die Baumkronen fällt oder wir über eine größere Wiese laufen, kann es durchaus passieren, dass man sich in der Welt von Hubert verlieren kann.

Brocap Studio versucht hier gar nicht erst, mit den großen technischen Produktionen mitzuhalten. Stattdessen konzentriert sich Hubert auf relativ natürliche Umgebungen und eine glaubwürdige Landschaft. Das funktioniert meiner Meinung nach deutlich besser, als wenn man zwanghaft versucht hätte, jedes einzelne Blatt und jeden Grashalm besonders realistisch darzustellen.

Allerdings schwankt die optische Qualität teilweise erheblich. Während einige Landschaften durchaus überzeugen, wirken andere Abschnitte vergleichsweise detailarm. Gerade bei näherer Betrachtung fallen einfachere Texturen, wenig ausgearbeitete Objekte und stellenweise etwas merkwürdige Beleuchtung auf. Besonders Schade ist das, weil Hubert in seinen stärksten Momenten zeigt, dass die Entwickler durchaus ein Händchen für atmosphärische Schauplätze besitzen. Von Diesen gibt es nämlich zahlreiche zu Erkunden.

Ein größeres Problem stellen für mich die Animationen dar. Hubert selbst ist grundsätzlich gelungen gestaltet und dürfte gerade bei Hundefreunden schnell Sympathiepunkte sammeln. Seine Bewegungen wirken allerdings nicht immer natürlich. Besonders bei schnellen Richtungswechseln, Sprüngen oder bestimmten Interaktionen entsteht teilweise der Eindruck, dass die Animationen nicht vollständig zur tatsächlichen Bewegungsgeschwindigkeit passen. Hier wurden in der Entwicklung wahrscheinlich ein paar Abkürzungen genommen um mit dem Budget zu haushalten.

Auch die menschlichen Figuren können nicht immer überzeugen. Gerade in Zwischensequenzen fallen stellenweise recht steife Bewegungen und ungewöhnliche Gesichtsausdrücke auf. Das nimmt einigen eigentlich emotional gedachten Szenen etwas von ihrer Wirkung. Wenn ein Spiel einen großen Teil seiner Geschichte über die Beziehung zwischen Mensch und Tier erzählen möchte, sollten gerade solche Momente möglichst glaubwürdig aussehen, tun sie aber leider nicht immer.

Hinzu kommen kleinere technische Auffälligkeiten, die ebenfalls den Gesamteindruck beeinträchtigen. Einige Charaktermodelle wirken gelegentlich etwas merkwürdig positioniert, und auch Huberts Fell sieht nicht in jeder Situation gleich überzeugend aus. Besonders die Augen einzelner Figuren können durch ihren ungewöhnlichen Ausdruck unfreiwillig komisch wirken.

Dafür funktioniert die visuelle Gestaltung der unterschiedlichen Tageszeiten und Wetterbedingungen recht ordentlich. Hubert möchte uns durch eine überschaubare, aber abwechslungsreiche Umgebung führen und die unterschiedlichen, weitgehend gelungenen, Lichtstimmungen helfen dabei, dass sich einzelne Abschnitte deutlich voneinander unterscheiden.

Insbesondere ist hier der Wechsel zwischen der zunächst friedlichen Landschaft und den zunehmend bedrohlicheren Bereichen der Wildnis hervorzuheben. Während manche Umgebungen geradezu zum entspannten Spaziergang einladen, entsteht in anderen Gebieten eine deutlich unangenehmere Stimmung. Das unterstützt die Geschichte und sorgt dafür, dass Hubert optisch nicht vollständig in seiner gemütlichen Schäferhund-Romantik stecken bleibt.

Unterm Strich ist Hubert ganz gut anzuschauen, auch wenn man technisch und bei den Animationen einige Abstriche machen muss. Wer moderne AAA-Qualität erwartet, wird hier definitiv enttäuscht. Wer dagegen kleinere Indie-Abenteuer mit einer schönen Atmosphäre mag, dürfte über viele der optischen Schwächen hinwegsehen können.

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Sound: Technisch Problematisch; inhaltlich gut

Akustisch macht Hubert zunächst vieles richtig. Gerade weil wir das Abenteuer aus der Perspektive eines Hundes erleben, spielt die Wahrnehmung der Umgebung eine wichtige Rolle. Hunde nehmen ihre Umwelt besonders durch den Geruchs und Hörsinn wahr, weshalb die Entwickler bewusst versucht haben, Geräusche stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Richfernsehen gibt es schließlich leider (oder zum Glück?!) noch nicht.

Das funktioniert besonders während der ruhigeren Abschnitte. Wind, Naturgeräusche, entfernte Tiere und andere Umgebungsgeräusche sorgen dafür, dass sich die Landschaft lebendig anfühlt. Dabei verzichtet Hubert erfreulicherweise darauf, jede Situation permanent mit Musik zu begleiten. Stattdessen dürfen manche Szenen einfach ihre eigene Wirkung entfalten.

Das gefällt mir, denn die Umgebung selbst ist schließlich auch das Highlight dieses Titels: Deshalb soll sie ruhig mit dem Spieler kommunizieren, wenn man das so nennen kann. Dann erzeugt Hubert eine Atmosphäre, die mich hier und da an ruhigere Passagen aus Red Dead Redemption 2 erinnert, natürlich ohne deren gewaltigen technischen Aufwand der hinter Rockstars Hit steckt.

Tatsächlich bleibt die musikalische Untermalung insgesamt eher zurückhaltend und unterstützt hauptsächlich die Stimmung der jeweiligen Szene auf subtile Weise. Während entspannte Momente mit ruhigeren Klängen begleitet werden, setzt Hubert in bedrohlicheren Situationen auf deutlich intensivere Musik. Das funktioniert grundsätzlich gut, auch wenn mir der Soundtrack insgesamt etwas zu unauffällig erscheint.

Versteht mich nicht falsch, es gibt durchaus passende Stücke, aber eben keine musikalischen Höhepunkte, die sich besonders deutlich im Gedächtnis festsetzen. Für ein emotional ausgerichtetes Story-Abenteuer wäre hier meiner Meinung nach noch etwas mehr möglich gewesen. Gerade die Beziehung zwischen Hubert und Lily hätte von einem stärkeren musikalischen Leitmotiv profitieren können.

Wirklich positiv fällt dagegen die englische Sprachausgabe auf. Besonders Hubert selbst bekommt durch seine Stimme eine Menge Persönlichkeit. Der Hütehund kommentiert seine Umgebung regelmäßig, reagiert auf verschiedene Situationen und lässt uns an seinen Gedanken teilhaben. Dadurch entsteht tatsächlich der Eindruck, einen eigenen Charakter zu steuern, statt lediglich einen Hund durch die Spielwelt zu bewegen.

Allerdings besitzt genau dieses System auch eine Schattenseite. Hubert redet teilweise ausgesprochen viel. Während seine Kommentare anfangs noch unterhaltsam und sympathisch wirken, können sie auf Dauer etwas anstrengend werden. Nicht jeder Gedanke benötigt unbedingt eine gesprochene Zeile, und gelegentlich hätte ich mir gewünscht, dass das Spiel einfach einmal auf zusätzliche Kommentare verzichtet. Weniger wäre hier manchmal tatsächlich mehr gewesen.

Alle Sprecher bemühen sich sichtbar darum, den Figuren Persönlichkeit zu verleihen, und können dadurch sogar manche, etwas holprig geschriebenen Dialoge, aufwerten. Weniger überzeugend fällt teilweise die technische Abmischung aus. Einzelne Szenen können deutlich lauter wirken als die gewöhnliche Spielumgebung. Besonders in manchen Traumsequenzen und während intensiver Effekte sind die Lautstärkeunterschiede nicht immer angenehm.

Eine deutsche Sprachausgabe gibt es nicht. Immerhin stehen deutsche Texte und Untertitel zur Verfügung. Allerdings wirkt die Übersetzung stellenweise noch etwas holprig. Gerade bei einem Spiel, das einen großen Teil seiner Wirkung aus Humor und Dialogen zieht, ist das natürlich ärgerlich. Insgesamt funktioniert der Sound von Hubert aber ordentlich. Besonders die Umgebungsgeräusche und die Sprecher tragen viel zur Atmosphäre bei. Der Soundtrack könnte etwas markanter ausfallen und ein wenig feinschliff in der Abmischung würde nicht schaden.

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Story

Die Geschichte von Hubert beginnt zunächst vergleichsweise unspektakulär. Unsere Besitzerin Lily befindet sich in einer schwierigen Lebenssituation und versucht, bei einem ziemlich mürrischen Farmer Arbeit und eine Unterkunft zu finden. Dafür müssen wir beweisen, dass Hubert trotz seiner etwas chaotischen Art als Hütehund geeignet ist. Schon hier wird deutlich, welche Richtung das Spiel einschlagen möchte. Hubert ist kein perfekt ausgebildeter Arbeitshund, der jede Situation souverän meistert. Stattdessen besitzt er eine ordentliche Portion Selbstvertrauen, ist neugierig und hat gelegentlich mehr Begeisterung als tatsächliches Talent.

Die ersten Abschnitte beschäftigen sich entsprechend stark mit dem Alltag auf dem Hof. Wir lernen Lily und den Farmer kennen, kümmern uns um die Schafe und bekommen einen ersten Eindruck davon, wie die Beziehungen zwischen den unterschiedlichen Figuren gestrickt sind. Besonders die Verbindung zwischen Hubert und Lily steht dabei im Mittelpunkt. Während Lily versucht, ihre eigene Situation zu verbessern, möchte Hubert vor allem eines: an ihrer Seite bleiben. Diese bedingungslose Loyalität bildet das emotionale Fundament der Geschichte und funktioniert grundsätzlich ziemlich gut.

Allerdings bleibt es nicht bei einem gemütlichen Abenteuer über das Leben eines Hütehundes. Als Wölfe auftauchen und die Sicherheit der Herde bedrohen, verändert sich die Situation deutlich. Hubert muss sich plötzlich mit Gefahren beschäftigen, die weit über seine ursprünglichen Aufgaben hinausgehen. Dabei entwickelt sich die Geschichte zunehmend in eine Richtung, die an klassische Tierabenteuer wie Wolfsblut oder Balto erinnert. Im Mittelpunkt stehen Loyalität, Zugehörigkeit und die Frage, ob Hubert ausschließlich in der menschlichen Welt seinen Platz besitzt oder ob die Wildnis ebenfalls eine gewisse Anziehung auf ihn ausübt.

Diese Grundidee gefällt mir ausgesprochen gut. Gerade weil wir ein Tier spielen, könnte man daraus eine interessante Geschichte über Instinkte, Bindung und Selbstbestimmung entwickeln. Leider bleibt die Umsetzung hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Die Handlung spannt fünf Akte, besitzt allerdings nicht immer einen überzeugenden Erzählrhythmus. Während einige Szenen angenehm ruhig und emotional ausfallen, schlägt der Ton an anderen Stellen ziemlich abrupt um. Mal möchte Hubert eine herzerwärmende Geschichte erzählen, kurz darauf folgen alberne Witze und dann wieder eine bedrohliche Begegnung. Leider wirkt das an so mancher Stelle ein wenig befremdlich.

Grundsätzlich müssen sich Humor und ernste Themen natürlich nicht ausschließen. Gerade Pixar hat oft genug bewiesen, wie gut eine solche Mischung funktionieren kann. Entscheidend ist allerdings, dass die unterschiedlichen Stimmungen sauber miteinander verbunden werden, woran Hubert in so manchen Abschnitten der Geschichte schlicht scheitert.

Einige Dialoge wirken etwas unbeholfen geschrieben und bestimmte Situationen passen nur bedingt zu der eigentlich ernsten Handlung. Hinzu kommt, dass die Figuren selbst nicht besonders tiefgründig ausgearbeitet werden. Lily ist sympathisch, erhält aber schlicht nicht genügend Raum, um tatsächlich als komplexer Charakter zu funktionieren. Auch der Farmer bleibt über längere Strecken recht vorhersehbar und flach. Zwar erfahren wir mehr über seine Vergangenheit, wirklich überraschende Entwicklungen bleiben jedoch vollständig aus.

Ähnliches gilt für die Konflikte mit den Wölfen. Das Spiel deutet interessante Gegensätze zwischen menschlicher Zivilisation und Wildnis an, arbeitet diese aber nicht konsequent genug aus. Dadurch bleibt vieles eher eine klassische Gut-gegen-Böse-Geschichte, obwohl das grundlegende Konzept deutlich mehr hergegeben hätte. Und auch die Traumsequenzen sind, so wie sie hier umgesetzt wurden, ein zweischneidiges Schwert. Einerseits bringen sie eine interessante mysteriöse Komponente in die Handlung und unterscheiden sich deutlich von den gewöhnlichen Abschnitten. Andererseits wirken sie gelegentlich wie Fremdkörper, die den ohnehin nicht immer sauberen Erzählfluss zusätzlich unterbrechen.

Besonders schade finde ich, dass Hubert teilweise genau dann am besten funktioniert, wenn das Spiel seine Geschichte etwas zurücknimmt. Kleine Momente zwischen Hund und Mensch, ein gemeinsamer Blick über die Landschaft oder Huberts ehrliche Freude über eine erfolgreich erledigte Aufgabe besitzen häufig mehr emotionale Wirkung als manche deutlich aufwendiger inszenierte Szene. Hier wurde so einiges an Potential verschenkt, denn Hubert braucht eigentlich keine besonders komplizierte Handlung, um zu funktionieren. Die Beziehung zwischen Hund und Besitzerin wäre bereits interessant genug gewesen. Stattdessen möchte das Spiel an einigen Stellen zu viel und wirkt dadurch unfokussiert.

Trotzdem bleibt die Geschichte über weite Strecken sympathisch. Wer Tiergeschichten mag und auch mit einer gewissen Portion Kitsch umgehen kann, dürfte einige schöne Momente erleben. Wer allerdings eine besonders tiefgründige Handlung erwartet, sollte seine Erwartungen reduzieren.

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Gameplay

Spielerisch verfolgt Hubert einen Ansatz, den man am ehesten als Mischung aus Erkundungsabenteuer, Walking Simulator und verschiedenen kleineren Geschicklichkeitsaufgaben beschreiben könnte. Wir steuern den Schäferhund aus der Third-Person-Perspektive durch die Landschaft, suchen nach bestimmten Gegenständen, folgen Gerüchen und kümmern uns immer wieder um die Schafe.

Gerade das Hüten der Herde gehört zu den interessantesten Ideen. Anstatt einfach einen menschlichen Charakter zu steuern, der Aufgaben erledigt, sollen wir tatsächlich die Fähigkeiten eines Hundes einsetzen. Dazu gehört beispielsweise das Bellen, mit dem wir die Schafe in Bewegung versetzen und ihre Richtung beeinflussen können.

Gerade wenn eine größere Gruppe Schafe über die Wiese verteilt ist und wir versuchen, die Tiere wieder zusammenzutreiben, entsteht ein interessantes Zusammenspiel aus Positionierung und Bewegung. Wir müssen überlegen, aus welcher Richtung wir uns nähern und wie die Schafe auf unsere Aktionen reagieren. Schließlich bringt es wenig, die Herde einfach wild anzubellen, wenn anschließend die Hälfte der Tiere in die falsche Richtung läuft.

Leider zeigt sich hier aber relativ schnell eine der größten spielerischen Schwächen von Hubert: Die Schafe verhalten sich nicht immer nachvollziehbar. Während das grundsätzliche System funktioniert, können einzelne Tiere plötzlich in merkwürdige Richtungen laufen, an Hindernissen hängen bleiben oder sich auf eine Weise bewegen, die wenig mit unserer eigentlichen Absicht zu tun hat. Das führt dazu, dass aus einer eigentlich sympathischen Aufgabe gelegentlich ein ziemlich nerviges Geduldsspiel wird.

Besonders ärgerlich wird es, wenn die Herde bereits fast vollständig am gewünschten Ziel angekommen ist und ein einzelnes Schaf beschließt, dass es jetzt unbedingt die Umgebung erkunden möchte. Natürlich könnte man argumentieren, dass Schafe auch in der Realität nicht gerade für ihre perfekte Kooperation bekannt sind. Allerdings sollte ein Videospiel trotzdem nachvollziehbare Regeln besitzen. Wenn ich eine bestimmte Aktion ausführe, möchte ich zumindest ungefähr einschätzen können, welche Reaktion dadurch ausgelöst wird.

Eine weitere zentrale Mechanik ist die Geruchswahrnehmung. Über eine spezielle Ansicht können wir die Umgebung nach Duftspuren untersuchen und anschließend bestimmten Fährten folgen. Das erinnert mich ein wenig an den Hexersinn aus The Witcher 3, nur dass wir diesmal eben keinen Monsterjäger, sondern einen Hund mit ausgesprochen guter Nase steuern.

Die Idee dahinter ist hervorragend, schließlich ist der Geruchssinn eine der wichtigsten Fähigkeiten eines Hundes. Entsprechend sinnvoll erscheint es, diese Wahrnehmung auch spielerisch einzusetzen. In der Praxis funktioniert das allerdings nicht immer besonders elegant. Die spezielle Ansicht verändert das Bild teilweise recht stark und kann dadurch die Orientierung erschweren. Hinzu kommt, dass wir die Geruchswahrnehmung nicht dauerhaft aktiviert lassen können, sondern sie nur kurzzeitig einsetzen können.

Dadurch entsteht gelegentlich ein recht unruhiger Spielfluss. Wir aktivieren den Geruchssinn, erkennen eine Spur, laufen einige Meter weiter und müssen anschließend erneut suchen. Gerade wenn die Kamera nicht optimal ausgerichtet ist, kann das unnötig umständlich werden.

Noch deutlicher fallen die Probleme bei der Steuerung auf. Hubert bewegt sich grundsätzlich flott durch die Landschaft und besonders das freie Herumlaufen kann durchaus Spaß machen. Bei schnellen Richtungswechseln oder während eines Sprints fehlt allerdings manchmal die notwendige Präzision. Das fällt besonders bei den kleineren Plattformpassagen auf. Hier müssen wir gelegentlich über Hindernisse springen oder bestimmte Wege möglichst genau treffen. Die eher schwammige Bewegung sorgt dabei dafür, dass solche Abschnitte schwieriger wirken, als sie eigentlich sein sollten.

Diese Art von unnötigem Frust hat mich schon bei Fairy Fencer f zur Weißglut getrieben und tut es auch hier. Wenn ich einen Sprung nicht schaffe, weil mein Timing schlecht war, ist das völlig in Ordnung. Wenn ich allerdings das Gefühl bekomme, dass die Steuerung nicht exakt das umsetzt, was ich eigentlich wollte, macht das deutlich weniger Spaß. Ich habe begriffen was ich tun soll, lass es mich bitte einfach machen, Spiel!

Auch die gelegentlichen Kämpfe können nicht vollständig überzeugen. Gerade die Begegnungen mit Wölfen sollen für zusätzliche Spannung sorgen, besitzen spielmechanisch allerdings nicht genügend Tiefe. Statt eines wirklich interessanten Kampfsystems bekommen wir eher einfache Auseinandersetzungen, bei denen die Aktionen nicht immer besonders präzise wirken.

Das ist schade, denn eigentlich hätte Hubert gerade mit seiner ungewöhnlichen Perspektive interessante Möglichkeiten geboten. Ein Kampf aus Sicht eines Hundes könnte beispielsweise deutlich stärker auf Bewegung, Ausweichen und instinktive Reaktionen setzen. Stattdessen wirken manche Begegnungen eher wie eine zusätzliche Mechanik, die eingebaut wurde, weil ein Abenteuer irgendwann eben auch etwas Action benötigt.

Ähnliches gilt für zahlreiche kleinere Aufgaben. Hubert darf Gegenstände suchen, Dinge apportieren und verschiedene Erledigungen für andere Figuren übernehmen. Grundsätzlich passt das natürlich zu einem Hund, gerade das klassische Apportieren gehört schließlich zu den naheliegendsten Beschäftigungen. Allerdings greift das Spiel etwas zu häufig auf solche Aufgaben zurück und nach mehreren Wiederholungen merkt man, dass viele Missionen im Grunde nach demselben Prinzip funktionieren: Wir bekommen ein Ziel, suchen einen Gegenstand oder eine bestimmte Stelle auf und bringen anschließend etwas zurück.

Hier hätte ich mir deutlich mehr Aufgaben gewünscht, die tatsächlich auf den besonderen Fähigkeiten eines Hundes aufbauen. Mehr Situationen, in denen unser Geruchssinn kreativ eingesetzt wird, komplexere Hüteaufgaben oder Herausforderungen, die nur aus dieser ungewöhnlichen Perspektive funktionieren. Stattdessen fühlt sich Hubert gelegentlich wie ein gewöhnliches Adventure an, dessen Hauptfigur zufällig auf vier Beinen unterwegs ist.

Immerhin gibt es auch einige kleinere Beschäftigungen abseits der Hauptgeschichte. Wir können verschiedene Orte erkunden, versteckte Dinge entdecken und natürlich auch typisch hundeartige Tätigkeiten ausführen. Dazu gehört unter anderem, bestimmte Stellen in Hundemanier zu markieren. Das mag albern klingen, passt aber durchaus zum Konzept und sorgt zumindest für einige unterhaltsame Momente.

Je nach Spielweise lässt sich Hubert bereits in ungefähr drei bis vier Stunden abschließen. Wer gründlich erkundet und zusätzliche Aufgaben erledigt, kann natürlich mehr Zeit investieren. Grundsätzlich habe ich kein Problem mit kurzen Spielen. Im Gegenteil. Lieber ein gutes vierstündiges Abenteuer als eine künstlich aufgeblasene Open World mit 80 Stunden belangloser Beschäftigung. Allerdings sollte die vorhandene Spielzeit dann möglichst konsequent genutzt werden. Und genau hier verschenkt Hubert einiges an Potenzial. Statt seine besten Mechaniken auszubauen, beschäftigt uns das Spiel teilweise mit trivialem Krimskrams, der wenig zur eigentlichen Geschichte beitragen.

Technisch besitzt Hubert ebenfalls noch einige Baustellen. Positiv ist immerhin, dass Brocap Studio schnell auf Rückmeldungen reagiert. Bereits kurz nach dem Release erschienen Updates, die unter anderem Probleme mit Sprachzeilen, bestimmten Spielabschnitten und der Performance korrigierten. Das zeigt, dass sich die Entwickler weiterhin um ihr Projekt kümmern.

Insgesamt hinterlässt das Gameplay bei mir deshalb einen zwiespältigen Eindruck. Die Idee, einen Hütehund zu spielen und dessen besondere Fähigkeiten einzusetzen, besitzt definitiv Charme. Gerade das Schafehüten und die Geruchswahrnehmung könnten ein hervorragendes Fundament für ein größeres Spiel darstellen. Allerdings fehlt es beiden Mechaniken noch an Feinschliff und spielerischer Tiefe. Dazu kommen eine gelegentlich unpräzise Steuerung, eher schwache Kämpfe und zu viele einfache Suchaufgaben.

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Fazit

Hubert gehört zu der Kategorie Spiel, bei denen ich die grundlegende Idee deutlich stärker finde als die tatsächliche Umsetzung. Einen Hütehund durch eine wunderschöne Landschaft zu steuern, Schafe zusammenzutreiben und dabei eine Geschichte über Loyalität und Freundschaft zu erleben, ist zunächst einmal ein sympathisches Konzept.

Leider steht sich das Spiel dabei regelmäßig selbst im Weg: Die Steuerung ist nicht immer präzise genug, das Schafehüten wird durch merkwürdiges Verhalten der Tiere unnötig erschwert und die Geruchswahrnehmung funktioniert in der Praxis weniger elegant, als ich es mir gewünscht hätte. Dazu kommen zahlreiche Such- und Apportieraufgaben, die zwar grundsätzlich zum Thema passen, spielerisch aber nur wenig Abwechslung bieten. Auch die Kämpfe wirken eher wie eine notwendige Ergänzung als wie ein wirklich ausgearbeitetes System.

Die Geschichte besitzt ebenfalls gute Ansätze, verliert sich allerdings gelegentlich in unpassenden Dialogen und merkwürdigen Stimmungswechseln. Gerade die Beziehung zwischen Hubert und Lily hätte mehr Raum verdient, während einige der größeren Konflikte überraschend oberflächlich bleiben.Trotzdem möchte ich Hubert nicht einfach abschreiben.

Brocap Studio hat hier etwas versucht, das sich angenehm von vielen anderen Spielen unterscheidet. Es gibt keine riesige Open World, keine endlosen Skilltrees und auch keine künstlich aufgeblasene Progression. Stattdessen bekommen wir ein kleines, abgeschlossenes Abenteuer, das vor allem durch seine ungewöhnliche Hauptfigur überzeugen möchte.

Mit einer präziseren Steuerung, besserer Schaf-KI und etwas mehr Fokus auf die eigentlichen Stärken hätte daraus ein richtig schöner kleiner Geheimtipp werden können. So bleibt vor allem ein liebenswerter Hund, dessen Abenteuer technisch und spielerisch leider noch nicht ganz auf eigenen vier Pfoten steht.

Wenn ihr lust auf Hubert habt, könnt ihr euch den Titel für 19,49€ auf Steam sichern. Wenn ihr eher auf Mäuse als auf Hunde steht, könnte euch vielleicht auch unser Artikel über die Hintergründe von Mouse: P.I for Hire interessieren. Lasst mich in jedem Fall in den Kommentaren wissen, was ihr von Hubert haltet.

Reviewbox
3.15
Zusammenfassung
Zusammenfassung

Hundefreunde schlagen zu, wer mechanische Tiefe und ein rundes Abenteuer sucht, schaut sich anderweitig um.

Positives
Malerische Landschaften Spannendes Konzept Wir spielen einen Hund
Negatives
Sehr kurze Spieldauer Schlechte Soundabmischung Schlechtes Storypacing
  • Grafik3.5
  • Sound3.5
  • Story3
  • Gameplay2.5

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