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Silver Pines: Silent Hill in Side Scrolling?!

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Silver Pines cover

Ein verschwundener Musiker, ein abgehalfterter Privatdetektiv und eine amerikanische Kleinstadt, die ihre Vergangenheit lieber unter Verschluss halten würde: Silver Pines verbindet klassischen Survival-Horror mit Metroidvania-Strukturen – und könnte gerade deshalb einer der interessantesten Horror-Titel des Herbstes werden.

Silver Pines ist kein Ort, an dem man freiwillig Urlaub macht. Häuser stehen leer, Straßen wirken wie vergessen und hinter geschlossenen Türen wartet selten etwas Beruhigendes. Genau hier landet Privatdetektiv Red Walker. Sein Auftrag klingt zunächst überschaubar: Er soll Eddie Velvet finden, einen verschwundenen Musiker. Doch wie es sich für eine Geschichte dieser Sorte gehört, bleibt es nicht lange bei einer gewöhnlichen Vermisstensuche.

Je tiefer Walker in die Vergangenheit des Ortes eindringt, desto weniger verlässlich erscheint die Wirklichkeit. Aus einer Detektivgeschichte wird ein Albtraum, und aus Silver Pines ein Ort, der nicht nur Geheimnisse verbirgt, sondern offenbar selbst etwas mit seinen Besuchern vorhat. Entwickler Wych Elm trifft mit diesem Survival-Horror-Metroidvania gepublished von Team17 einen Nerv, der es schafft dem ganzen Körper eine Gänsehaut zu verpassen.

Horror von der Seite

Silver Pines hebt sich besonders durch die Spielperspektive von vielen modernen Vertretern des Horror-Genres ab. Zwar sieht man ab und zu einen Vertreter, der sich an ein Experiment heranwagt, Silver Pines setzt allerdings besonders konsequent auf eine 2,5D-Ansicht die ihresgleichen sucht. Wir bewegen Red Walker hauptsächlich seitlich durch Häuser, Straßen und Industrieanlagen, während die Umgebung räumliche Tiefe besitzt.

Das klingt zunächst nach einem Rückschritt gegenüber frei begehbaren Horrorspielen. Tatsächlich könnte gerade die Einschränkung zu einer der größten Stärken des Spiels werden. Die Entwickler von Silver Pines bestimmen dadurch sehr präzise, was wir sehen – und vor allem, was wir nicht sehen. Ein dunkler Türrahmen am Bildschirmrand bekommt dadurch plötzlich Bedeutung. Ein Geräusch aus dem nächsten Raum reicht aus, um Misstrauen zu erzeugen. Und wenn die Kamera nicht einfach gedreht werden kann, bleibt hinter Walker buchstäblich ein blinder Fleck, welcher von der Fantasie des Spielers gefüllt werden muss.

Dazu kommt ein auffälliger handgezeichneter Look mit rotoskopisch wirkenden Animationen und einer schmutzigen Neo-Noir-Ästhetik. Silver Pines sieht dadurch weder nach klassischem Pixel-Indie noch nach Hochglanz-Horror aus. Es wirkt eher wie eine verlorene Fernsehserie aus den 1990ern, die irgendwann von grotesquen Horrorfiguren gekapert wurde. Wer mal Lust auf eine Horrorerfahrung der ganz anderen Sorte hat, der ist bei ilver Pines definitiv richtig aufgehoben.

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Jede Kugel ist Kostbar

Spielerisch orientiert sich Silver Pines unverkennbar am klassischen Survival Horror krachern wie Resident Evil, Silent Hill und Haunting Grounds. Munition und Heilmittel sind begrenzt, ebenso der Platz im Inventar. Gegner können bekämpft werden – müssen es aber nicht zwangsläufig.

Das verändert selbstverständlich das Gewicht jeder Begegnung. Ein Monster ist nicht einfach nur ein Hindernis zwischen zwei Storysequenzen. Es ist eine mathematische Gleichung: Wie viel Munition kostet mich dieser Kampf? Muss ich später noch einmal durch diesen Raum? Kann ich vorbeikommen? Und was passiert, wenn hinter der nächsten Tür etwas Gefährlicheres wartet?

All diese Abwägungen gilt es unter stress zu treffen, und wie ich bei der Demo auf der Gamescom erleben durfe, bringt Silver Pines den Flair und Druck der alten Survival Horror Klassiker wieder direkt zurück auf Tableau. Die Entwickler benennen ausdrücklich den begrenzten Inventarplatz und die knappen Ressourcen als zentrale Elemente von Silver Pines.

Die verschiedenen Monster und Bossgegner die vom Design her absolut begeistern tun ihr Übriges um dem Spiel einen ganz besonderen Flair zu verleihen. Waffen und Werkzeuge dienen außerdem nicht ausschließlich dem Kampf, sondern erschließen neue Bereiche der Stadt, wodurch ein ganz bewusster Umgang mit dem eigenen Inventar gefördert wird und der Schulterschluss zu dem Metroidvania-Aspekt der Genremischung stattfindet.

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Ein Metroidvania mit Schrotflinte

Silver Pines besteht nicht bloß aus einer Reihe von Horrorkulissen. Verschlossene Türen, Barrikaden und zunächst unerreichbare Wege sorgen dafür, dass Spieler bereits besuchte Gebiete später erneut erkunden dürfen, und sich im Zuge dessen neuen Schrecken stellen müssen..

Neue Ausrüstung öffnet neue Routen. In einem Update der Demo wurde beispielsweise ergänzt, dass sich bestimmte Holzbarrieren mit der Schrotflinte zerstören lassen. Das ist ein kleines Detail, zeigt aber ziemlich gut, wie eng Ressourcenmanagement und Erkundung miteinander verzahnt werden sollen. Es gilt also abzuwägen, spare ich meine knappe Munition auf um Gegner in die Schranken zu weisen, oder öffne ich mir einen neuen Weg, der es entweder leichter macht mein Ziel zu erreichen, oder mich mit etwas Pech in eine furchtbare Falle führt.

Damit stellt Silver Pines eine interessante Frage: Was passiert, wenn man die verwinkelte Weltstruktur eines Metroidvanias mit der permanenten Unsicherheit eines Survival-Horrorspiels kombiniert? Backtracking bedeutet hier schließlich nicht nur, einen bekannten Korridor erneut abzulaufen. Es bedeutet möglicherweise auch, erneut durch einen Raum zu müssen, in dem noch ein Gegner wartet – während im Magazin nur wenige Patronen stecken. Aus einer normalerweise komfortablen Abkürzung kann so eine taktische Entscheidung werden. Und Silver Pines überzeugt mich mit diesem Ansatz auf ganzer Linie.

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Die Kleinstadt als das eigentliche Monster

Noch spannender als einzelne Kreaturen die euch um den Verstand bringen wollen, könnte allerdings Silver Pines selbst werden.

Die Geschichte bedient sich eines vertrauten Motivs: Ein Fremder kommt in eine abgeschiedene Gemeinschaft und stellt Fragen, die dort niemand besonders gerne beantworten möchte. Red Walker trifft auf die verbliebenen Bewohner der Stadt und versucht herauszufinden, was mit Eddie Velvet geschehen ist. Manche Ameisenhaufen, sollte man lieber nicht aufscheuchen, doch wir wollen Schließlich einen fantastischen Horror-Epos erleben – haben also leider keine Wahl.

Damit hat Wych Elm die Voraussetzungen für eine Form von Horror geschaffen, die nicht permanent Monster benötigt. Eine verschlossene Tür kann genauso interessant sein wie eine Kreatur. Ein merkwürdiges Gespräch kann beunruhigender werden als ein Kampf. Und ein Ort, an dem offensichtlich jeder etwas weiß, aber niemand die Wahrheit erzählt, produziert ganz automatisch Spannung.

Die offizielle Beschreibung spricht von einer halb verlassenen, halb vergessenen Stadt und von einer dunklen Vergangenheit, die Walker immer weiter in einen Albtraum hineinzieht. Das Entscheidende wird deshalb sein, ob die Vollversion ihre Geheimnisse lange genug geheim halten kann. Horror funktioniert schließlich häufig am besten, solange wir eine Bedrohung noch nicht vollständig verstehen.

Im Falle von Silver Pines bietet darüber hinaus die unglaublich gut gelungene Soundkulisse eine solide Basis für schockierenden Horror und undefinierbar seltsame Spannung beim Spielen. Auch spannende Überlegungen, wie das durch ein Münztelefon umgesetzte Speichern, welches einen trivialen Akt zum Teil des spielerischen Erlebnisses macht machen mich besonders neugierig auf das finale Spiel.

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Eine Demo mit auffällig guter Resonanz

Zumindest das bisher spielbare Material scheint viele Spieler bereits überzeugt zu haben. Die kostenlose Steam-Demo erschien im Juni 2026 und kommt derzeit auf rund 95 Prozent positive Nutzerbewertungen. Auch am Gamescom Stand von Team 17, erfreute sich Silver Pines bisher regter Beliebtheit und die Stimmen die ich dazu gehört habe, waren zum großteil positiv.

Das garantiert natürlich noch kein gelungenes Gesamtspiel. Gerade bei einem atmosphärischen Mystery-Titel sind einige der schwierigsten Aufgaben erst in der Vollversion zu lösen: Trägt die Geschichte über viele Stunden? Bleibt die Erkundung interessant? Entwickeln sich Gegner und Rätsel weiter? Und gelingt es dem Spiel, seine Geheimnisse aufzulösen, ohne ihnen dabei den Reiz zu nehmen?

Auch das Kampfsystem dürfte eine wichtige Rolle spielen. Survival Horror darf sich sperrig anfühlen – sollte aber niemals den Eindruck vermitteln, dass nicht die Figur, sondern die Steuerung der eigentliche Gegner ist. Mein Eindruck bisher war es, dass die Steuerung angemessen träge für das Genre ist. Daher bin ich sehr positiv gestimmt, was die Zukunft von Silver Pines angeht.

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Silver Pines ist definitiv einen zweiten Blick wert

Trotz allen Bedenken die man haben mag, bleibt festzuhalten, dass Silver Pines schon vor Veröffentlichung eine ausgesprochen klare Identität hat, welche mich und andere Horrorenthusiasten auf das beste hoffen lässt. Natürlich hat das Spiel mit Genrekrachern wie Silent Hill: Townfall große Konkurrenz, aber es erschließt eine Nische für sich, welche so von keinem Mitbewerber zu 100% erschlossen wurde.

Viele Horrorspiele kennen die gleichen Zutaten. Dunkle Räume. Wenig Munition. Verstörende Monster. Verlassene Gebäude. Rätsel und Schlüssel. Wych Elm scheint daraus jedoch eine ungewöhnliche Kombination zu bauen. Die kontrollierte 2,5D-Perspektive erinnert an einen Sidescroller, die Weltstruktur an ein Metroidvania, das Ressourcenmanagement an klassischen Survival Horror und die Geschichte an einen düsteren Kleinstadtkrimi.

Keines dieser Elemente ist für sich genommen neu. Zusammen könnten sie es allerdings durchaus sein.Und genau das macht Silver Pines für mich zu einem solch unglaublich spannenden Projekt. Vielleicht ist das sogar die interessanteste Eigenschaft von Silver Pines: Das Spiel versucht gar nicht erst, seine Vorbilder zu verstecken. Stattdessen nimmt es vertraute Ideen und arrangiert sie so, dass daraus etwas Eigenständiges entsteht und weiß mit diesem Eintopf aus guten Zutaten etwas neues, großartiges zu schaffen.

Am 8. Oktober 2026 finden wir dann endlich heraus, ob hinter den verschlossenen Türen von Silver Pines tatsächlich eine der großen Horror-Überraschungen des Jahres wartet. Bis dahin gilt eine Regel, die in dieser Stadt vermutlich ohnehin jeder kennt: Manche Türen bleiben besser geschlossen, und eduldiges Warten, zahlt sich manchmal aus.

Silver Pines von Wych Elm, gepublished von Team17 erscheint am 8. Oktober 2026. Alle auf der Gamescom anwesenden können das Spiel am Stand von Team 17 testen. Alternativ ist auch eine kostenlose Demo auf Steam erhältlich. Lasst uns in den Kommentaren wissen, was ihr von Silver Pines haltet. und wenn ihr ein Näschen für ungewöhnlichen Horror habt, dann könnt ihr euch auch gerne mal den Creepypasta rund um Ben Drowned durchlesen, welchen ich für euch aufgearbeitet habe.

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