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Ihr mögt Soulslikes, bei denen bereits der Weg zum nächsten Boss mehr Nerven kostet als manch komplettes Actionspiel? Ihr freut euch über düstere Welten, groteske Kreaturen und Kämpfe, bei denen zwei unachtsame Sekunden reichen, um wieder am letzten Checkpoint zu stehen? Dann dürfte Mortal Shell 2 ziemlich genau euren Geschmack treffen. Die entscheidende Frage ist nur: Wie viel Frust gehört noch zu einer guten Herausforderung – und ab wann hält ein Spiel den Spieler einfach unnötig auf?
Genau an diesem Punkt scheiden sich bei Mortal Shell 2 die Geister. Denn eines möchte ich direkt vorwegnehmen: Cold Symmetry hat gegenüber dem ersten Mortal Shell einen riesigen Schritt gemacht. Das Kampfsystem ist schneller, die Welt umfangreicher, die Shells deutlich interessanter und die gesamte Präsentation spielt mindestens eine Liga höher. Das hier fühlt sich nicht wie ein vorsichtig erweitertes Mortal Shell an. Mortal Shell 2 ist in vielen Bereichen genau das Spiel, das der erste Teil gerne gewesen wäre.
Entwicklerstudio: Cold Symetry
Publisher: Playstack
Platformen: PC, Playstation, Xbox,
Releasedatum: 20.08.2026
Metacritic Userscore : 8.6
Grafik – Hässliche Welt, wunderschön umgesetzt
Fangen wir mit einer der größten Überraschungen von Mortal Shell 2 an: Das Spiel sieht richtig gut aus.
Und mit „richtig gut“ meine ich nicht nur technisch ordentlich für ein kleineres Studio. Mortal Shell 2 kann sich stellenweise problemlos neben wesentlich größere Produktionen stellen. Beleuchtung, Materialdarstellung, Partikeleffekte und vor allem Charaktermodelle erzeugen eine angenehm dreckige Dark-Fantasy-Ästhetik. Rüstungen wirken schwer, Oberflächen feucht und verrottet, während Blut, Schlamm und organische Strukturen dafür sorgen, dass diese Welt selten wie eine hübsch dekorierte Fantasy-Kulisse aussieht.
Besonders beeindruckt haben mich allerdings die Animationen. Ob schwere Angriffe, Ausweichbewegungen, Hinrichtungen oder die Reaktionen der Gegner auf Treffer: Mortal Shell 2 vermittelt enorm viel Gewicht. Wenn eine massive Waffe einschlägt, sieht das nicht nur brutal aus – es fühlt sich auch so an. Selbst kleinere Animationen wirken sauber miteinander verbunden und sorgen dafür, dass Cold Symmetry hinsichtlich der Präsentation einen deutlichen Schritt nach vorne macht.
Gerade im direkten Vergleich mit dem ersten Mortal Shell ist der Unterschied gewaltig. Teil eins hatte bereits eine starke Atmosphäre, wirkte jedoch immer wieder wie ein ambitioniertes Indie-Soulslike, das seine technischen Grenzen nicht vollständig verstecken konnte. Mortal Shell 2 verkauft seine Welt wesentlich überzeugender.
Mein Problem liegt eher bei der Farbgebung. Zumindest über längere Strecken dominieren Grau, Braun, Schwarz und unterschiedliche Variationen von „In diesem Dorf hat seit etwa 700 Jahren niemand mehr gefegt“. Das passt natürlich hervorragend zur Stimmung. Dark Fantasy soll nicht aussehen wie Super Mario Sunshine. Trotzdem wünsche ich mir gerade bei einem deutlich größeren Spiel mehr visuelle Abwechslung.
Spätere Gebiete setzen durchaus andere Akzente, es gibt unterschiedliche Landschaften und deutlich variablere Kulissen als noch im Vorgänger. Trotzdem bleibt die grundlegende Farbpalette sehr zurückhaltend. Wer auf morbide Ruinen, feuchte Wälder, Schnee, zerfallene Architektur und groteske Kreaturen steht, wird hier glücklich. Wem nach 15 Stunden irgendwann doch nach einer grünen Wiese mit Blumen verlangt, könnte dagegen erste Entzugserscheinungen entwickeln. Das ändert allerdings nichts daran, dass Mortal Shell 2 grafisch für mich zu den klaren Stärken des Spiels gehört. Gerade die Animationen sind herausragend.

Sound – Wenn jeder Treffer richtig wehtut
Ein Soulslike lebt nicht ausschließlich von präzisen Hitboxen und Bossgegnern. Ein guter Treffer muss auch akustisch funktionieren, und Mortal Shell 2 versteht das.
Schwerter krachen, Körper werden mit unangenehm satten Geräuschen getroffen und massive Gegner vermitteln allein über ihre Schritte, dass gleich etwas ziemlich Ungesundes auf uns zukommt. Gerade zusammen mit den hochwertigen Animationen entsteht dadurch eine Wucht, die den Nahkampf deutlich aufwertet.
Auch die Umgebung funktioniert akustisch hervorragend. Wind, entfernte Kreaturen, knarzende Konstruktionen und unterschiedliche atmosphärische Geräusche sorgen dafür, dass die Welt selten völlig still wirkt. Dabei überschüttet euch Mortal Shell 2 nicht permanent mit Musik.
Der Soundtrack hält sich häufiger zurück und überlässt der Umgebung die Bühne. Wenn die Musik dann aber mal deutlicher hervortritt, funktioniert sie gut und unterstützt die düstere Stimmung. Allerdings würde ich nicht behaupten, dass mir nach dem Ausschalten des Spiels reihenweise Melodien im Kopf geblieben wären.
Da sind FromSoftware-Spiele für mich weiterhin eine andere Hausnummer. Einen Boss-Track aus Dark Souls 3 oder Elden Ring erkennt ihr teilweise nach wenigen Sekunden. Mortal Shell 2 erreicht diese musikalische Identität nicht durchgehend.

Story – Eier, falsche Götter und ziemlich viel Elend
Eine gute Nachricht vorab: Wer das erste Mortal Shell nicht gespielt hat, muss vor Mortal Shell 2 keine Hausaufgaben machen.
Der Nachfolger funktioniert weitgehend eigenständig und lässt euch in die Rolle des Harbingers schlüpfen. Der kann – wenig überraschend – die Körper gefallener Krieger übernehmen und sie als sogenannte Shells benutzen.
Im Zentrum der Handlung steht die mysteriöse Undermether, deren gestohlene Ova über die Welt verteilt wurden. Diese sollen zurückgebracht werden, während korrumpierte Wesen, falsche Götter und diverse andere Gestalten wenig Interesse daran zeigen, euch dabei einfach machen zu lassen. Das klingt zunächst ungefähr so (un)verständlich, wie man es von einem Soulslike erwarten würde.
Allerdings erzählt Mortal Shell 2 seine Geschichte für meinen Geschmack etwas greifbarer als der Vorgänger. Ihr bekommt weiterhin keine langen Mass-Effect-Dialogbäume serviert und solltet auch keine klassische Fantasy-Kampagne mit minutenlangen Gesprächen erwarten. Vieles steckt in Dialogen, Beschreibungen, der Umgebung und kleinen Informationshäppchen.
Besonders interessant sind die Shells selbst. Je stärker ihr eure Verbindung zu ihnen ausbaut, desto mehr erfahrt ihr über ihre Vergangenheit. Dadurch werden die unterschiedlichen Körper nicht nur zu Klassen mit verschiedenen Fähigkeiten, sondern erhalten zumindest etwas Persönlichkeit. Das gefällt mir deutlich besser als ein gewöhnlicher Charakterbildschirm, in dem ich einfach zwischen „Ritter mit viel Leben“ und „schneller Typ mit wenig Rüstung“ auswähle.
Trotzdem bleibt die Story für mich Begleitprogramm. Sie funktioniert. Sie bietet ausreichend interessante Lore. Sie passt hervorragend zu dieser unglaublich kaputten Welt. Aber Mortal Shell 2 gehört nicht zu den Spielen, die ich wegen ihrer Handlung empfehlen würde. Atmosphäre schlägt hier emotionale Charakterentwicklung.
Wer Spaß daran hat, Lore zusammenzusetzen und über merkwürdige religiöse Symbolik, tote Krieger und absurde Kreaturen nachzudenken, findet einiges zu entdecken. Wer einfach eine starke Hauptgeschichte erzählt bekommen möchte, dürfte deutlich weniger begeistert sein.

Gameplay – Viel Licht und Schatten
Kommen wir direkt zum Elefanten im Raum: Dem Kampfsystem.
Cold Symmetry verabschiedet sich von einigen klassischen Souls-Konventionen und verzichtet beispielsweise auf eine traditionelle Ausdauerleiste. Dadurch könnt ihr wesentlich aggressiver kämpfen, sprinten und ausweichen, ohne ständig einen grünen Balken beobachten zu müssen. Das verändert den Rhythmus erheblich.
Mortal Shell 2 spielt sich schneller als sein Vorgänger und erlaubt euch, Gegner stärker unter Druck zu setzen. Unterschiedliche Nahkampfwaffen, Fernkampfoptionen, Shell-Fähigkeiten und defensive Systeme greifen ineinander und erzeugen wesentlich mehr Möglichkeiten als noch im ersten Mortal Shell. Das ist vermutlich die wichtigste Verbesserung des gesamten Spiels.
Der erste Mortal Shell hatte interessante Ideen. Mortal Shell 2 baut daraus endlich ein vollständiges Kampfsystem. Angriffe besitzen ordentlich Gewicht. Gegner reagieren sichtbar auf eure Aktionen. Waffen fühlen sich unterschiedlich an und die Shells können euren Spielstil erheblich verändern. Kombiniert ihr diese Systeme miteinander, entstehen richtig gute Kämpfe.
Bis euch irgendein gewöhnlicher Gegner einmal trifft und euch unvermittelt die Hälfte des Lebensbalkens leert bevor ihr überhaupt versteht, was gerade passiert ist. Versteht mich nicht falsch, Ich mag schwierige Spiele. Ich habe kein Problem damit, fünfmal gegen einen Boss zu sterben, wenn ich anschließend verstehe, was ich falsch gemacht habe. Genau darin besteht für mich ein großer Teil des Reizes von Dark Souls, Bloodborne, Sekiro oder Elden Ring.
Bei Mortal Shell 2 hat dieser Spaß aber schnell ein Ende, denn ganz normale Gegner verursachen einfach zu viel Schaden. Wenn mich ein einzelner Treffer dazu zwingt, anschließend zwei oder drei Heilungen einzuwerfen, fühlt sich das für mich nicht besonders motivierend an. Gerade gewöhnliche Gegner können derart hart zuschlagen, dass kleine Fehler unverhältnismäßig teuer werden.
Das Interessante daran: In der Spielerschaft gehen die Meinungen genau an diesem Punkt erstaunlich weit auseinander. Manche Spieler empfinden Mortal Shell 2 sogar als zu leicht, weil ihr durch unbegrenzte Ausdauer, Shell-Fähigkeiten und starke Builds zahlreiche Möglichkeiten besitzt, Gegner zu kontrollieren. Andere erleben genau das Gegenteil und kritisieren extremen Schaden und harte Schwankungen beim Balancing. Ich sitze eindeutig im zweiten Lager.
Cold Symmetry hat bereits erste Balanceänderungen vorgenommen, Gegner angepasst und auf Kritik reagiert. Das begrüße ich ausdrücklich. Trotzdem bleibt das grundlegende Verhältnis zwischen Lebenspunkten, Heilung und eingehendem Schaden für meinen Geschmack zu aggressiv.
Noch stärker nerven mich allerdings die Wege nach dem Tod. Stellt euch vor, ihr entdeckt einen interessanten Gegner oder steht kurz vor einer schwierigen Begegnung. Ihr sterbt. Kein Problem. Gehört zum Genre. Dann lauft ihr wieder los. Und lauft. Und lauft noch etwas. Vielleicht erledigt ihr unterwegs wieder Gegner oder sprintet möglichst an allem vorbei. Schließlich erreicht ihr erneut die Stelle, an der ihr eigentlich üben wolltet. Ihr kämpft 30 Sekunden. Ihr sterbt. Und dann beginnt das Trauerspiel erneut.
Genau hier wirkt Mortal Shell 2 für mich teilweise erstaunlich altmodisch. Moderne Soulslikes – und selbst FromSoftware – haben längst erkannt, dass ein harter Bosskampf nicht automatisch dadurch besser wird, dass der Spieler vorher jedes Mal mehrere Minuten zurücklegen muss. Ein schwieriger Kampf kann motivieren. Ein schwieriger Kampf mit einem nervigen, 10 Minütigen Anreiseweg motiviert deutlich weniger.
Gerade weil die eigentlichen Kämpfe von Mortal Shell 2 so gut funktionieren, verstehe ich diese Entscheidung nicht. Wenn ich zehnmal gegen einen Gegner antreten möchte, dann lasst mich zehnmal kämpfen. Zwingt mich nicht dazu, einen beträchtlichen Teil dieser Zeit damit zu verbringen, denselben Weg abzulaufen. Für mich gehört das zu den größten Schwächen des Spiels.
Die verschiedenen Shells sind eigentlich das Markenzeichen von Mortal Shell 2. Und konzeptionell finde ich das System weiterhin hervorragend. Statt euch für einen einzigen Charakter zu entscheiden, könnt ihr unterschiedliche gefallene Krieger übernehmen, die jeweils eigene Stärken, Fähigkeiten und Spielstile besitzen. Genau dadurch sollte Mortal Shell 2 eigentlich zum Experimentieren einladen.
Das Problem: Die Progression arbeitet teilweise gegen diese Idee. Hier muss man technisch zwischen zwei Dingen unterscheiden. Verteilte Shell-Punkte innerhalb freigeschalteter Fähigkeiten lassen sich durchaus neu verteilen. Die eigentliche, kostspielige Bindungsprogression über Glimpses ist dagegen dauerhaft an eine Shell gebunden. Und genau da liegt mein Problem.
Glimpses sind begrenzt. Wollt ihr sämtliche Shells vollständig ausbauen, reicht ein einzelner Durchgang nicht annähernd. In der Praxis müsst ihr mit mehreren Playthroughs rechnen – wer wirklich alles maximieren möchte, landet ungefähr in der Größenordnung von drei Durchläufen.
Das wäre weniger schlimm, wenn euch Mortal Shell 2 sämtliche Shells früh vor die Füße werfen würde. Tut es aber nicht. Einige wirklich interessante Shells entdeckt ihr erst deutlich später. Bis dahin habt ihr euch wahrscheinlich bereits an einen frühen Charakter gewöhnt und ordentlich Ressourcen investiert. Und was wenn ihr dann plötzlich eine Shellfindet, deren Fähigkeiten perfekt zu eurem Spielstil passen? Naja Pech gehabt… Natürlich könnt ihr sie benutzen. Aber die wertvollen Bindungsressourcen, die bereits in einer anderen Shell stecken, bekommt ihr nicht einfach zurück.
Für ein Spiel, dessen spannendste Mechanik das Wechseln und Ausprobieren verschiedener Körper ist, halte ich das für eine merkwürdig restriktive Entscheidung.Ich möchte mit diesen Shells experimentieren, Mortal Shell 2 möchte dagegen offensichtlich, dass ich mich festlege und das missfällt mir hier leider sehr..
Ähnlich unbefriedigend empfinde ich das normale Aufleveln. Ein Level-up in einem Action-RPG sollte etwas bedeuten. Natürlich möchte ich nicht nach jedem investierten Punkt plötzlich zum Halbgott werden. Aber ich möchte zumindest das Gefühl bekommen, dass mein Charakter stärker geworden ist. Bei Mortal Shell 2 fallen manche Statussteigerungen derart mager aus, dass ich nach dem Aufleveln mehrfach auf meine Werte geschaut und mich gefragt habe: Das war es jetzt?
Gerade wenn die benötigten Ressourcen mit steigenden Leveln ins Astronomische steigen, fehlt mir hier ein stärkerer Effekt. Wenn Gegner gleichzeitig so viel Schaden verursachen, verschärft sich dieses Problem zusätzlich. Ein paar zusätzliche Lebenspunkte (Und wir reden hier um steigerung von 1 HP für ein Level bei einem Startwert von 90) fühlen sich wenig bedeutend an, wenn ein normaler Angriff trotzdem einen riesigen Teil des Lebensbalkens entfernt.
Auch das Parieren beziehungsweise die darauf folgenden Riposte-Angriffe könnten stärker sein. Eine erfolgreiche Parade verlangt Timing. Sie ist riskanter, als einfach Abstand zu halten oder auszuweichen. Entsprechend erwarte ich eine saftige Belohnung.
Optisch bekomme ich die definitiv, denn die Animationen sehen großartig aus. Beim Schaden sieht die Sache allerdings anders aus.
Riposte-Attacken fühlen sich für mich teilweise viel zu schwach an. Wenn ich einen gefährlichen Angriff sauber lese, perfekt pariere und anschließend eine spektakuläre Gegenattacke ausführe, möchte ich keinen Schaden sehen, der mich darüber nachdenken lässt, ob zwei gewöhnliche Schläge nicht effizienter gewesen wären. Gerade in einem Spiel mit so hohem gegnerischem Schaden sollte riskantes, präzises Spielen konsequent belohnt werden. Hier fehlt Mortal Shell 2 noch Feintuning.
Technisch ist Mortal Shell 2 außerdem ein etwas merkwürdiger Fall. Das Spiel kann fantastisch laufen und gleichzeitig durch zahlreiche kleine Fehler nerven. Abstürze, Probleme mit Einstellungen, kleinere Animations- oder Treffererkennungsfehler, UI-Macken und andere technische Eigenheiten wurden seit Veröffentlichung bereits mehrfach thematisiert und teilweise gepatcht.
In meiner Wahrnehmung sind es weniger einzelne katastrophale Bugs als die Summe kleiner Probleme die hier zum Frust führt und genau diese Sorte Fehler ist gefährlich. Hier ein teleportierender Gegner, da 180° Tracking, dort ein Ort an dem man durch den Boden fällt. Die Summe macht hier einfach den Bock fett.
Positiv ist allerdings, dass Cold Symmetry sehr schnell reagiert. Bereits kurz nach Veröffentlichung wurden Balance-, Stabilitäts- und Performanceprobleme angegangen. Das gibt mir zumindest Hoffnung, dass Mortal Shell 2 in einigen Wochen spürbar sauberer dastehen wird.

Fazit – FromSoftware bleibt außer Reichweite
Ich bin bei Mortal Shell 2 hin- und hergerissen. Einerseits ist das hier ohne Zweifel ein gelungenes Spiel. Cold Symmetry hat fast alles verbessert, was am ersten Mortal Shell noch unfertig oder eingeschränkt wirkte. Die Kämpfe sind schneller und vielfältiger, das Shell-System besitzt wesentlich mehr Tiefe, die Welt ist größer und die gesamte audiovisuelle Präsentation befindet sich auf einem beeindruckenden Niveau.
Vor allem die Animationen sind fantastisch. Wenn Mortal Shell 2 euch mit einer schweren Waffe auf einen Gegner loslässt und sämtliche Systeme ineinandergreifen, macht das Spiel richtig Laune. Diese Momente zeigen, wie viel Potenzial in dieser Reihe steckt. Dann trifft euch ein gewöhnlicher Gegner einmal, ihr braucht gefühlt eure halbe Apotheke zur Heilung, sterbt kurz darauf und dürft wieder minutenlang durch das Gebiet laufen.
Und plötzlich ist der Spaß weg. Für mich liegt genau dort die Grenze zwischen gutem Soulslike und hervorragendem Soulslike. FromSoftware versteht es in seinen besten Spielen, Frust fast immer mit einer Lektion zu verbinden. Wenn ich in Sekiro sterbe, weiß ich häufig, welches Timing falsch war. Wenn mich ein Boss in Elden Ring zerlegt, möchte ich meistens sofort wieder hinein. Bei Mortal Shell 2 denke ich dagegen gelegentlich nicht: „Noch einmal!“ Ich denke: „Muss ich jetzt wirklich den ganzen Weg wieder laufen?“
Auch das Progressionssystem passt für mich nicht vollständig zur eigentlich hervorragenden Shell-Idee. Mortal Shell 2 möchte unterschiedliche Spielstile anbieten, bestraft ausgiebiges Experimentieren aber mit permanent gebundenen Ressourcen. Dazu kommen Levelaufstiege, die sich teilweise zu unbedeutend anfühlen, vergleichsweise schwache Riposte-Attacken und noch zahlreiche kleinere Bugs.
Trotzdem würde ich Mortal Shell 2 klar über dem ersten Teil einordnen. Wer Mortal Shell mochte, darf praktisch bedenkenlos zugreifen. Wer den Vorgänger aufgrund seines steifen Kampfsystems aufgegeben hat, sollte Mortal Shell 2 ebenfalls eine zweite Chance geben, denn spielerisch liegen zwischen den beiden Teilen Welten.
Soulslike-Veteranen mit hoher Frusttoleranz finden hier ein spannendes Action-RPG mit eigener Identität, hervorragender Atmosphäre und einem Kampfsystem, das sich deutlich genug von Dark Souls und Elden Ring unterscheidet. Wer allerdings FromSoftware-Qualität bei Balancing, Checkpoint-Platzierung und Progressionsgefühl erwartet, sollte seine Erwartungen etwas herunterschrauben.
Mortal Shell 2 ist für mich ein gutes Soulslike und ein sehr gutes Sequel – aber noch kein Titel, der Dark Souls, Elden Ring oder die stärksten Genre-Konkurrenten vom Thron stößt. Dafür steckt unter dieser wunderschönen, blutverschmierten Shell noch etwas zu viel unnötiger Frust.
Lasst mich in den Kommentaren wissen, was ihr von Mortal Shell 2 haltet. Falls ihr jetzt Bock darauf habt, diesen Titel zu spielen, könnt ihr ihn HIER auf Steam erwerben. Soll es aber doch Lieber etwas ganz anderes sein, kann ich euch Crow Country empfehlen, eines der besten Retro Survival Horror Spiele die ich je spielen durftek.

Zusammenfassung
Zusammenfassung
Soulslike-Fans mit hoher Frustresistenz bekommen mit Mortal Shell 2 einen gewaltigen Sprung gegenüber dem Vorgänger. Wer faire Checkpoints, frei experimentierbare Builds und FromSoftware-Feinschliff erwartet, wartet besser noch ein paar Patches ab.
Positives
Fantastische Animationen und starke Grafik Wuchtiges, deutlich verbessertes Kampfsystem Sehr gute düstere AtmosphäreNegatives
Teilweise überzogener Gegnerschaden Lange Rückwege nach dem Tod In-sich widersprüchliche Progression- Grafik89%
- Sound84%
- Story71%
- Gameplay79%
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