Review

Scholar Adventure: Mystery of Silence – Das Schweigen im Kloster

19
Scholar Adventure: Mystery of Silence cover

„People talking without speaking, people hearing without listening, people writing songs that voices never share and no one dared disturb the sound of silence.“ Dieser Auszug aus dem Lied Sound of Silence ist vielleicht die perfekte Beschreibung für Scholar Adventure: Mystery of Silence, das kurze, aber knackige Point-and-Click-Adventure von Ayose Trujillo & Making Enemies, veröffentlicht von Devilish Games. Ob wir lieber den Mantel des Schweigens über den Titel hätten hüllen sollen, erfahrt ihr hier in unserem Test.

Entwicklerstudio: Ayose Trujillo & Making Enemies

Publisher: Devilish Games

Platformen: PC

Releasedatum: 09.12.2025

Metacritic Userscore : n.A / 10

Grafik: Pixelbrei überall!

Wer sich die Bilder zu „Scholar Adventure: Mystery of Silence“ anschaut, wird sich sofort in die guten alten Zeiten eines „Monkey Islands“, „Day of the Tentacle“ oder „Sam and Max“ zurückversetzt fühlen, denn die Ästhetik trifft die damals so begeisternde Pixeloptik wirklich 1:1. Da Retro aktuell einem gewissen Hype unterliegt und das Genre selbst ein wenig aus der Zeit gefallen ist, macht „Scholar Adventure: Mystery of Silence“ einen ordentlichen Eindruck.

Dezente, aber durchaus wahrnehmbare Animationen in den Rätsellocations verhindern, dass Langeweile aufkommt, und hauchen der düsteren und glaubwürdig gestalteten Spielwelt Leben ein. Hier ist besonders hervorzuheben, dass „Scholar Adventure: Mystery of Silence” besonders gut auf die Details achtet. es sind die kleinen Sachen, die einem Spiel Leben einhauchen, und das haben die Entwickler hier eindeutig verstanden.

Auch die Orte selbst sind detailreich modelliert, abwechslungsreich gestaltet und verändern sich im Spielverlauf in gewissen Details. Zwar wurde auf eine große Vielfalt verzichtet, das Gebotene kann sich dennoch positiv hervortun und bietet eine gut Navigierbare Umgebung für das Abenteuer.

Das UI ist angenehm übersichtlich gestaltet und verschwindet bei Nichtgebrauch elegant aus dem Bildschirm, sodass man sich vollkommen in der ästhetisch anspruchsvollen, aber auch etwas speziellen Spielwelt verlieren kann. Natürlich kann man Point-and-Click-Adventures heutzutage auch anders aufziehen. Zu „Scholar Adventure: Mystery of Silence” passt der gewählte Look jedoch sehr gut, da eine doch etwas gröbere Darstellung mehr Spielraum für Interpretation lässt.

Manch einer mag argumentieren, dass das Fehlen von Gesichtern und anderen Details unrund aussieht. Ich sage: Es ist ein bewusstes Stilmittel, das vom Entwicklerstudio effektiv eingesetzt wird und nicht nur optisch ein Statement darstellt, sondern auch für die Handlung relevant ist.

Scholar Adventure: Mystery of Silence SS1

Sound: Es klingt irgendwie… Still?

Der Sound von „Scholar Adventure: Mystery of Silence” bildet ebenfalls ein schlüssiges und angenehmes Gesamtpaket. Bei der Erstellung des Soundtracks wurde nicht über das Ziel hinausgeschossen, sondern man hat sich weitgehend auf das Wesentliche konzentriert: eine Stimmung zu schaffen, die den Spieler durch das Abenteuer vorantreibt.

Tatsächlich ist es so, dass mir einige Tage nach dem Durchspielen des Titels kein einziges Musikstück so in Erinnerung geblieben ist, dass ich es näher beschreiben könnte. Dies liegt wahrscheinlich auch daran, dass das Spiel gemäß seinem Titel häufig mit Stille arbeitet und dieser auch Raum gibt, zu wirken. Wenn dann doch Musik zu hören ist, weiß man sofort: Jetzt geht es um die Wurst.

Was man angesichts des Mangels an Musik umso deutlicher wahrnimmt, sind die wirklich gut gelungenen Soundeffekte, die das Spiel fast vollständig alleine tragen. Hier wird die Stille der Nacht nur von Spatenstichen erfüllt, dort kratzen Federn wild übers Pergament und an anderer Stelle quietschen die Kronleuchter bei jedem Windhauch.

Ich persönlich finde, dass hier alles richtig gemacht wurde. Es gelingt wirklich, den Spieler durch die sporadisch, aber effektiv verwendeten Effekte an den Bildschirm zu fesseln und ihm genug Feedback zu liefern, um klar ersichtlich zu machen, wann etwas funktioniert und wann nicht.

Auf eine Sprachausgabe wurde vollständig verzichtet. Dies mag budgettechnische Gründe haben, stützt aber durchaus die Atmosphäre des Titels. Wozu schließlich eine Sprachausgabe in einem Spiel, das das Schweigen zum Hauptthema macht?

Somit stimmt für mich die Gesamtpalette, die „Scholar Adventure: Mystery of Silence” soundtechnisch auffährt, und das Spiel liefert genau so viel ab, wie es zu versprechen vermag.

Scholar Adventure: Mystery of Silence SS2

81

Story: Was gibt es da schon zu sagen?!

Bei einem Spiel, das in zwei bis drei Stunden vollständig durchgespielt ist, muss man umso vorsichtiger sein, was man in einem Review über die Story verraten möchte. Deshalb bitte ich euch, mir zu verzeihen, wenn ich ähnlich vage bleibe wie die Steam-Seite.

In „Scholar Adventure: Mystery of Silence” begleitet ihr einen jungen Schriftsteller, der eine Abtei bzw. ein Kloster erkundet und herausfinden möchte, was es mit den seltsamen Vorkommnissen dort auf sich hat. Schnell stellt man als Spieler fest, dass unser redseliger Protagonist vielleicht fehl am Platz ist, da sich die meisten Charaktere eher ins Schweigen hüllen.

Relativ zügig wird auch klar, dass es sich bei dem Geheimnis dieser Abtei um eine Mischung aus Verlangen und übernatürlichem Firlefanz handelt. Um ehrlich zu sein, verstehe ich das bis heute noch nicht so richtig.

Tatsächlich bleibt die Handlung beim Spielen weitgehend schlüssig und es gibt mehrere Instanzen von Storytelling, welches durch die Umgebung mitgetragen wird und das Spiel wirklich ansprechend macht. Gegen Ende wird die Handlung jedoch ein wenig abstrus und es gelingt aus meiner Sicht trotz verschiedener Enden nicht, ein befriedigendes Ende für dieses kurze Abenteuer zu finden.

Handelt es sich bei diesem Spiel um eine Allegorie auf verpönte Homosexualität? Eine Kritik der Heuchlerischkeit des Christentums? Ein Spiegel für den Egoismus der Gesellschaft? Oder haben wir hier einfach nur eine Handlung vorliegen, die nicht zu Ende gedacht wurde? Ich habe die Antwort nicht und bin mir auch unschlüssig, wohin ich tendieren soll.

Unabhängig davon, ob die Geschichte von „Scholar Adventure: Mystery of Silence” die Symbolkraft hat, die man ihr mit ein wenig Fantasie andichten kann, ist sie ausreichend, um das Spiel über die kurze Spieldauer zu tragen. Außerdem wird gegen Ende recht klar angedeutet, dass auf diesen Titel noch weitere folgen sollen.

Wir werden sehen, wohin die Reihe führt. Ich hoffe dabei aber vor allem darauf, dass unser Hauptcharakter in zukünftigen Teilen etwas mehr Charakter bekommt. Zwar blitzt hier und da die Persönlichkeit unseres Literaten ein wenig durch, jedoch sind diese Momente rar und mit unpassendem Humor gespickt.

Abschließend kann ich sagen, dass die Handlung von „Scholar Adventure: Mystery of Silence” absolut ausreichte, um mich bei der Stange zu halten, und mich zumindest einen Abend lang über die Bedeutung des Gespielten nachdenken ließ. Hier wartet weder Hitchcock noch King, sondern angenehm umgesetzte Zweckmäßigkeit.

Scholar Adventure: Mystery of Silence SS3

73

Gameplay: Point-and-Click wie früher

Das Gameplay von „Scholar Adventure: Mystery of Silence” entspricht dem eines klassischen Point-and-Click-Adventures. Das heißt, man klickt mit der Maus auf die Bereiche des Bildschirms, mit denen man interagieren möchte, findet, kombiniert und verwendet Gegenstände und löst eine ineinander verschlungene Rätselkette, bis man das Ende erreicht hat.

Was ich an „Scholar Adventure: Mystery of Silence” als angenehm empfunden habe, ist, dass jedes Objekt in der Spielwelt nur eine Art der Interaktion erlaubt. In vielen Spielen dieses Genres kann man ein Objekt betrachten, daran riechen, es nutzen, es nehmen usw. Hier führt der Charakter die einzig mögliche Aktion mit einem einfachen Klick aus. Manche mögen es kritisieren, für mich ist es ein Zeichen dafür, dass die Entwickler wissen, wie der Zeitgeist funktioniert.

Auch die angenehme Reduktion der Handlungsschauplätze gefällt mir. Man schlägt sich nicht durch eine riesige Stadt und droht, den Überblick zu verlieren. Nein, es gibt ungefähr zehn verschiedene Bildschirme von übersichtlicher Größe, auf denen das Abenteuer spielt, wodurch es übersichtlicher und fokussierter wirkt.

Die Rätsel sind auch weitgehend logisch und vermeiden die früher berüchtigte Adventurelogik. Zwar gab es doch den einen oder anderen Punkt, an dem ich mit den Augen rollen musste, weil ein Rätsel entweder entgegen aller Erwartungen gelöst werden musste oder mich unnötig durch die Gegend laufen ließ und sorglos mit meiner Zeit umging.

Auch das UI erfüllt seinen Zweck voll und ganz: Nichts verwirrt, nichts stört, alles ist so minimalinvasiv wie möglich gestaltet und wirkt sich damit quasi gar nicht auf das Gameplay von „Scholar Adventure: Mystery of Silence” aus. Das Spiel trägt sich somit über die Spieldauer von zwei bis drei Stunden durchaus selbst und bietet einen modernen Ansatz für das Point-and-Click-Genre.

Sollte euch ein Rätsel zu schwierig werden, findet ihr in naher Zukunft auf Gamecheck auch einen vollständigen Walkthrough, der allerdings kaum notwendig sein dürfte.

Besonders positiv überrascht hat mich jedoch, dass die Entwickler einen sinnvollen Weg gefunden haben, zwei Enden einzubauen. Auch wenn die meisten Spieler selbstständig das bessere der beiden Enden in „Scholar Adventure: Mystery of Silence” freischalten werden, belohnt es doch die Findigen und Aufmerksamen, wenn diese nicht noch einmal zurückgehen müssen, um das gute Ende zu erhalten, sondern es direkt beim ersten Durchgang finden können.

Technisch gibt es ebenfalls nichts an „Scholar Adventure: Mystery of Silence” auszusetzen. Das Spiel lief reibungslos auf meinem Testrechner, Abstürze oder Besonderheiten gab es nicht.

Zusammenfassend ist „Scholar Adventure: Mystery of Silence” ein wunderbares Point-and-Click-Adventure, welches weder die Logik noch die Geduld der Spieler überstrapaziert und aufgrund der reduzierten Örtlichkeiten und Möglichkeiten auch nur wenig Frust aufkommen lässt.

Scholar Adventure: Mystery of Silence SS4

Fazit: Scholar Adventure: Mystery of Silence – Ein solider Adventurehappen

Abschließend lässt sich also festhalten, dass „Scholar Adventure: Mystery of Silence” ein wunderbarer Adventure-Happen für zwischendurch ist. Nein, hier wartet keine Revolution des Genres, und nein, weder die Handlung noch alle Rätsel sind perfekt gelöst. Was uns hier präsentiert wird, ist jedoch ein sehr angenehmes Erstlingswerk von Ayose Trujillo & Making Enemies, welches sich wunderbar an einem Abend wegspielen lässt.

Wenn ihr Interesse an „Scholar Adventure: Mystery of Silence” habt, könnt ihr es hier auf Steam erwerben. Wenn ihr auf andere moderne Point-and-Clicks steht, ist vielleicht „Leisure Suit Larry Wet Dreams don’t Dry” etwas für euch. Vor einer Weile haben wir dazu ebenfalls eine Komplettlösung geschrieben. Lest doch gerne einmal rein.

Hat euch „Scholar Adventure: Mystery of Silence” auch so gut gefallen? Dann lasst uns in den Kommentaren wissen, ob ihr auch Lust habt, euch diesem kurzen Mysterium der Abtei zu stellen.

Der Produktschlüssel für „Scholar Adventure: Mystery of Silence” wurde uns zum Zwecke dieses Reviews kostenlos bereitgestellt.

Reviewbox
81%
Zusammenfassung
Zusammenfassung

Adventurefreunde schlagen zu, wer einen langen, komplexen Epos sucht schaut sich anderweitig um.

Positives
Atmosphärisches Spielerlebnis Geringer Preis Guter Adventure-Happen
Negatives
Kurze Spieldauer Minimalistisches Sounddesign Schwammige Story
  • Grafik89%
  • Sound81%
  • Story73%
  • Gameplay80%

Kommentieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Verwandte Artikel

Hacked:The Streamer cover
67%
Review

Hacked: The Streamer – Stream an, Kopf aus

Hacked: The Streamer - Wenn sich ein solcher Stream, plötzlich in ein...

Rainbow Legends cover
68%
Review

Rainbow Legends: Gebietskontrolle im Fokus

Rainbow Legends: Fehlgeschlagenes Experiment oder revolutionärer Deckbuilder?

Monster Crown: Sin Eater cover
92%
Review

Monster Crown: Sin Eater im Test – Wenn Pokémon zu brav, aber Shin Megami Tensei zu gnadenlos ist

Monster Crown: Sin Eater wirkt wie ein Pokemon Klon, bietet aber eine...

All Hail the Orb cover
73%
Review

All Hail the Orb! ein Clicker mit Humorfaktor

Findet heraus, ob ihr auch die Kugel preisen wollt: All Hail the...