Autor: Maximilian Fetzer
Inhaltsverzeichnis
Als Star Wars Outlaws von Ubisoft angekündigt wurde, war den meisten Spielern sofort klar, welche Hoffnungen sie damit verbanden: ein wirklich großes Open-World-Spiel im Star-Wars-Universum, das sich nicht wieder nur um Jedi, Sith und Lichtschwerter dreht, sondern um die anderen Figuren dieser Galaxis – Schmuggler, Diebe, Kopfgeldjäger und kriminelle Gruppen. Also um jene Welt, die in Filmen und Serien oft nur am Rande zu sehen ist, die aber eigentlich riesiges Potenzial hat.
Genau das sollte Outlaws liefern: ein dreckiges, bodennahes Abenteuer voller Entscheidungen, Gefahren und Chaos. Und am Anfang sah es auch so aus, als würde Ubisoft genau das schaffen. Doch je länger man spielt, desto deutlicher wird: Das Spiel startet stark, bricht aber später an Stellen ein, an denen es eigentlich funktionieren müsste.
Entwicklerstudio: Massive Entertainment
Publisher: Ubisoft
Platformen: PC, Playstation 4/5, Switch, Xbox
Releasedatum: 21.11.2024
Metacritic Userscore : 5.5
Story
Die Geschichte beginnt wirklich gut. Kay Vess wird nicht als Heldin vorgestellt, die irgendeine große Prophezeiung erfüllen muss, sondern einfach als junge Frau, die versucht, ihre Schulden loszuwerden und am Leben zu bleiben. Das macht ihre Lage glaubwürdig und es ist angenehm, einmal nicht durch ein großes Schicksal „besonders” zu sein. Die ersten Missionen sind spannend, haben ein gutes Tempo und vermitteln sofort, wie gefährlich und unberechenbar die Unterwelt der Galaxis ist. Man hat das Gefühl, dass Kay ständig zwischen Chancen und Risiken hin- und hergerissen wird. Doch dieses Niveau kann Star Wars Outlaws leider nicht halten.
Spätestens ab der Mitte fällt die Geschichte spürbar ab. Die Missionen wiederholen sich, Wendungen wirken vorhersehbar und die Figuren bleiben in ihrer Entwicklung stehen. Es gibt zwar immer wieder kleine Höhepunkte, doch diese halten nicht an. Anstelle eines klaren, durchdachten Handlungsbogens fühlt es sich irgendwann so an, als würde das Spiel nur noch versuchen, Zeit zu füllen. Zwar zieht das Erzähltempo am Ende wieder etwas an, doch wirkt es fast wie ein Versuch, die Schwächen des Mittelteils nachträglich zu kaschieren. Dadurch verliert der starke Anfang einen Teil seiner Wirkung.

Gameplay
Ein ähnliches Problem zeigt sich in der Open World. Optisch ist Outlaws beeindruckend. Die Städte wirken lebendig, die Cantinas sind stimmungsvoll, die Landschaften sind detailreich und auch die imperialen Anlagen sehen so aus, wie man es aus Filmen kennt. Rein oberflächlich macht Star Wars Outlaws extrem viel richtig. Doch je intensiver man die Welt nutzt, desto klarer wird, dass unter der schönen Oberfläche kaum Inhalt steckt. Die NPCs laufen zwar durch die Gegend, reagieren aber kaum sinnvoll auf das, was passiert. Viele von ihnen bleiben sogar an Objekten hängen oder wiederholen ständig dieselben Animationen. Schnell wird klar, dass sie keine „echten” Figuren sind, sondern eher Kulissen.
Die Syndikate, die den Kern der Unterwelt darstellen sollen, wirken ebenfalls weniger wie lebendige Organisationen und mehr wie Listen im Menü, die man abarbeitet. Egal, wie sehr man sich mit ihnen anlegt oder wie viel man für sie erledigt – die Welt verändert sich dadurch kaum. Selbst große Entscheidungen haben nur selten spürbare Auswirkungen. Dadurch verliert die Welt an Tiefe. Eine Open World muss nicht riesig sein, aber sie sollte sich dynamisch anfühlen. Genau das schafft Outlaws kaum. Viele Situationen wiederholen sich und die wenigen spontanen Ereignisse wirken wie Skripte, die sich regelmäßig wiederholen.
Das größte Problem von Star Wars Outlaws ist allerdings das Kampfsystem, genauer gesagt die Gegner-KI.

Eigentlich wäre das Gunplay solide: Die Banditen kämpfen sich gut, Kay bewegt sich flüssig und die Animationen sind sauber. Das alles nützt jedoch wenig, wenn die Gegner sich verhalten, als wären sie nicht wirklich „anwesend”. Und genau das passiert leider viel zu oft. Die Gegner laufen ohne Sinn in die Schusslinie, übersehen Kay selbst auf kurze Distanz, bleiben an Kanten hängen oder verlieren das Interesse am Kampf, sobald er kurz außer Sicht ist. Gruppentaktiken gibt es kaum; oft wirkt es, als würde jeder Gegner für sich allein kämpfen, ohne auf die anderen zu achten.
Dadurch entsteht kaum Spannung. Kämpfe fühlen sich selten gefährlich an, weil schnell klar wird, wie leicht die KI zu überlisten ist. Stealth, das eigentlich ein wichtiger Teil des Spiels sein sollte, wird dadurch fast wertlos, da man oft ohne Aufwand an Gegnergruppen vorbeikommt. Auch die Gadgets wirken dadurch weniger sinnvoll, da die KI in vielen Situationen einfach zu träge oder zu blind reagiert. In einem Spiel, das das Leben eines Outlaws darstellen soll, wären kluge Gegner eigentlich entscheidend, denn Bedrohung entsteht nur, wenn die Gegner glaubwürdig gefährlich sind. Genau das gelingt Outlaws nicht.
Dafür macht das Reisen durch die Welt etwas mehr Spaß. Das Speeder-Bike ist schnell, präzise und vermittelt ein gutes Gefühl von Freiheit. Allerdings bleibt auch hier das gleiche Problem bestehen: Die Welt reagiert zu wenig auf den Spieler. Begegnungen wirken eher einstudiert als natürlich und auch die Weltraumabschnitte sind technisch gut, aber nicht besonders tiefgehend. Man hat nie das Gefühl, dass im Hintergrund wirklich etwas passiert. Alles wirkt wie einzelne Inseln und nicht wie ein großes System. Technisch liefert das Spiel ein sauberes Bild.

Technik
Die Grafik ist stark, die Gesichter sind gut animiert und das Sounddesign gehört zu den großen Stärken. Die Musik, die Geräusche in den Cantinas, die Maschinen, die Blaster – alles klingt so, wie man es erwartet. Allerdings tauchen auch typische Ubisoft-Fehler auf: NPCs teleportieren sich gelegentlich, Missionstrigger verschwinden oder die Framerate sackt kurz ab. Das ist nicht katastrophal, zeigt aber, dass das Spiel technisch nicht ganz durchpoliert ist.

Fazit
Letztendlich bleibt „Star Wars Outlaws” ein Spiel mit viel Potenzial, das jedoch nicht voll ausgeschöpft wird. Der Anfang ist stark, die Inszenierung überzeugt und optisch gehört es zu den besten Star-Wars-Spielen der letzten Jahre. Die nachlassende Story, die eher passive und generische Open World und vor allem die schlechte Gegner-KI verhindern jedoch, dass das Spiel wirklich herausragt. Es ist keineswegs schlecht, bleibt aber weit unter dem, was möglich gewesen wäre. Wer einfach ein paar Stunden in der Welt von Star Wars verbringen möchte, wird seinen Spaß haben. Wer jedoch ein tiefes, dynamisches und wirklich forderndes Open-World-Spiel erwartet, wird schnell merken, dass diese Galaxis nur auf den ersten Blick lebendig wirkt und danach erstaunlich schnell ihre Grenzen zeigt.
Lasst uns doch in den Kommentaren wissen, ob ihr euren Spaß an Star Wars Outlaws hattet, oder ob ihr, wenn es schon um Open-World Games geht, vielleicht lieber etwas dystopischeres, wie beispielsweise Fallout New Vegas zocken wollt.
Autor: Maximilian Fetzer

Review Overview
Zusammenfassung
Star Wars und Open World Fans greifen zu, Spieler mit Anspruch schauen sich anderweitig um.
Positives
einzigartige Atmosphäre starker Story-Hook Star Wars Feeling purNegatives
technische Mängel tote Welt anspruchslose Kämpfe- Story74%
- Gameplay72%
- Technik65%
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