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Ihr mögt Roguelike-Deckbuilder, habt aber langsam das Gefühl, dass jeder zweite Indie-Titel nur noch „Slay the Spire, aber mit anderem Hut“ sein will? Dann ist Rainbow Legends von Unpixel Cloud Cedar Studio,und Light Up Games als Publisher zumindest einen zweiten Blick wert. Nicht, weil hier plötzlich das gesamte Genre auf links gedreht wird, sondern weil statt Schadenszahlen Gebietskontrolle und strategisches Geschick im Fokus stehen. Ob diese neue Wendung im Genre wirklich taugt, oder ob es sich dabei um ein fehlgeschlagenes Experiment handelt, erfahrt Ihr hier in unserem Test.
Entwicklerstudio: Unpixel Cloud Cedar Studio
Publisher: Light Up Games
Platformen: PC
Releasedatum: 06.05.2026
Metacritic Userscore : n.A / 10
Grafik: Bunt, charmant, aber nicht immer elegant
Optisch setzt Rainbow Legends auf einen farbenfrohen 2D- beziehungsweise 2.5D-Look mit Pixel- und Anime-Einschlag. Das passt grundsätzlich gut zum Spiel. Die Figuren sind klar stilisiert, die Karten wirken trotz eher grobem Pixel-Look verspielt, und das Spielfeld hat genug Brettspiel-Charakter, um familiär zu wirken. Kurz gefasst: Rainbow Legends sieht wie ein typisches Indie-Spiel aus.
Besonders angenehm ist, dass Rainbow Legends nicht versucht, euch mit Effekten zu erschlagen. Viele Deckbuilder übertreiben es irgendwann mit Partikeln, Einschlägen und blinkenden Statusanzeigen. Hier bleibt das Geschehen meistens lesbar. Das ist bei einem Spiel, das so sehr auf Feldkontrolle basiert, auch notwendig. Wenn ich nach jeder Karte erst einmal fünf Sekunden brauche um zu erfassen, welches Feld jetzt wem gehört, wäre das Konzept schnell tot.
Ganz frei von Problemen ist die Präsentation aber nicht. Rainbow Legends wirkt an manchen Stellen ziemlich grob und nicht vollständig durchdacht. Einige Icons könnten prägnanter sein, manche Karteninformationen dürften schneller ins Auge springen, und gerade bei komplexeren Synergien hätte ich mir eine noch deutlichere visuelle Hierarchie gewünscht. Das Spiel erklärt viel über Symbole, Farben und Flächen und diese sollten daher eindeutig markiert und in ihren Funktionen eindeutig, bestenfalls intuitiv, erkennbar sein.
Trotzdem: Der Look von Rainbow Legends funktioniert. Er trägt das Spiel, ohne ihm die Schau zu stehlen. Wer knackscharfe High-End-Animationen erwartet, ist hier natürlich falsch. Wer aber mit einem bunten, etwas in die Jahre gekommenen Stil leben kann, bekommt ein Spiel, das ganz nett anzuschauen ist ohne besonders herauszustechen.

Sound: Zweckmäßigkeit pur
Beim Sound bleibt Rainbow Legends eher auf der sicheren Seite. Die Musik begleitet die Runs solide, ohne sich groß in den Vordergrund zu drängen. Das kann man positiv sehen: Ein Roguelike-Deckbuilder muss über längere Sessions funktionieren, und ein zu aufdringlicher Soundtrack wäre hier eher Gift. Die musikalische Untermalung liefert ein wenig Atmosphäre und tangiert den Spielfluss recht wenig.
Trotzdem fehlt Rainbow Legends akustisch ein bisschen Charakter. Bei einem Spiel mit so vielen Fraktionen, Karten, Relikten und magischen Effekten hätte ich mir stellenweise mehr Wiedererkennungswert gewünscht. Nicht unbedingt orchestrales Donnerwetter, sondern kleine akustische Signaturen: ein stärkerer Effekt beim Gebietsdreh, ein befriedigenderes Feedback bei großen Combos, ein klarerer Sound, wenn eine Struktur ausgelöst wird.
Gerade weil das Gameplay von Rainbow Legends stark über Kontrolle, Vorbereitung und Belohnung funktioniert, wäre kräftigeres Audio-Feedback wichtig. Wenn ein gut geplanter Zug mehrere Felder zu euren verwandelt und am Rundenende richtig Schaden erzeugt, darf das Spiel meine Aktion ruhig ein wenig feiern. Nicht mit Feuerwerk bis zur Netzhautablösung, aber mit einem Sound, der sagt: Ja, das war clever. Fein gemacht!
Insgesamt bleibt der Sound solide, aber unauffällig. Er stört nicht, aber er reißt auch niemanden vom Stuhl. Er ist eben da.

Story: Acht Klassen, viele Ansätze, aber kein Erzähl-Schwergewicht
Bei der Story muss man Rainbow Legends fair einordnen. Das hier ist kein narratives Rollenspiel, kein Disco Elysium mit Kartenhand und auch kein Ring of Pain, das sein Kartenspiel als Teil einer größeren Mystery-Erfahrung nutzt. Trotzdem gibt es erzählerische Ansätze mit denen das Spiel auf offiziell wirbt, namentlich verschiedene Klassen, Fraktionen und Handlungsstränge. Das gibt den Runs mehr individuellen Charakter und sorgt dafür, dass Rainbow Legends nicht wie ein komplett abstraktes Strategiespiel ohne Handlung wirkt. Ihr spielt nicht nur anonyme Karten in ein Raster, sondern bewegt euch durch kleine Abenteuerstrukturen, Ereignisse und Begegnungen.
Der Haken: Die Story ist eher Rahmen als Motor. Sie gibt Kontext, sie lockert das Gameplay auf, sie liefert kleine Geschmacksnoten. Aber sie ist nicht der Grund, weshalb man Rainbow Legends startet. Wer der Steamseite glaubt, und einen echten Rollenspielhybriden sucht, wird hier nur bedingt abgeholt werden.
Für mich ist das in Ordnung, weil Rainbow Legends nie so tut, als wäre es ein Story-Epos. Der Fokus liegt klar auf dem strategischen Kern. Die Erzählung erfüllt ihren Zweck, aber sie bleibt schmückendes Beiwerk. Positiv ist, dass unterschiedliche Klassen und Freischaltungen langfristig motivieren. Kritisch bleibt, dass die Welt selbst noch etwas mehr Eigenprofil vertragen könnte.

Gameplay: Der Kern von Rainbow Legends
Das Herz von Rainbow Legends ist eindeutig das Gameplay. Der wichtigste Kniff ist die Verbindung aus Deckbuilding und Gebietskontrolle. Ihr spielt Karten nicht nur, um Werte zu verändern, sondern um den Raum zu manipulieren und Felder einzunehmen. Am Ende einer Runde zählt, wer mehr Felder kontrolliert. Diese Kontrolle entscheidet dann darüber, wer Schaden bekommt und wie hart der Treffer ausfällt. Dadurch entsteht eine angenehme und neue Strategische Komponente.
In klassischen Deckbuildern fragt ihr euch oft: Wie viel Schaden mache ich? Wie viel Block brauche ich? Welche Karte dünnt mein Deck aus? In Rainbow Legends kommt eine zusätzliche Ebene dazu: Welche Felder brauche ich? Welche Form bringt mir die meisten Felder? Welche Struktur muss ich vor der Eroberung durch meinen Kontrahenten schützen? Kann ich den Gegner auf einer Seite überrennen, obwohl ich auf der anderen gerade verliere?
Das macht Rainbow Legends taktischer als viele Genre-Kollegen. Nicht unbedingt komplizierter im Sinne von „erschlagend“, aber räumlicher. Ihr habt das Gefühl, tatsächlich um ein Brett zu kämpfen und diese Räumlichkeit hilft dem Spiel seinen eigenen Charakter zu formen.
Besonders gut gefällt mir, dass Strukturen eine wichtige Rolle spielen. Gebäude, Runen oder ähnliche platzierbare Elemente geben euren Entscheidungen Gewicht. Sie sind nicht nur temporäre Effekte, sondern Punkte auf dem Feld, um die ihr herum planen könnt. Wenn eine Struktur doppelte Auslösungen ermöglicht oder eine Falle auf gegnerischem Gebiet tickt, fühlt sich Rainbow Legends an, als wäre es etwas besonderes.
Auch die Relikte und Karten-Upgrades greifen ordentlich in dieses System und erweitern es sinnvoll. Rainbow Legends will, dass ihr Builds entwickelt. Manche Runs setzen stärker auf aggressive Gebietsausbreitung, andere auf Verteidigung, Kontrollpunkte oder Synergie-Ketten. Wenn Effektformen, Fraktionsmechaniken und Relikte zusammenkommen, entsteht genau dieses typische Deckbuilder-Gefühl: Der Run klickt. Plötzlich macht euer Deck Dinge, die am Anfang noch völlig unmöglich wirkten.
Ganz so elegant wie die Genre-Spitze ist Rainbow Legends aber nicht. Slay the Spire bleibt nicht deshalb Referenz, weil es als erstes da war, sondern weil fast jede Karte, jedes Risiko und jede Belohnung Sinn machen. Rainbow Legends hat diese Klarheit nicht immer. Manche Mechaniken brauchen einen Moment, bis sie wirklich sitzen. Manche Effekte wirken auf den ersten Blick ähnlicher, als sie spielerisch sind. Und bei einem Spiel, das mit Formen, Feldern und Relikten arbeitet, ist jedes bisschen Unklarheit spürbar.
Auch das Balancing dürfte nicht jeden gleichermaßen überzeugen. In Deckbuildern ist ein gewisses Maß an Eskalation Pflicht. Man will in der Lage sein mit ein wenig Glück vollkommen unschlagbar zu werden. Man will diesen einen Run, in dem alles außer Kontrolle gerät. Rainbow Legends liefert solche Momente hier und da, aber nicht jede Strategie wirkt gleich befriedigend. Einige Builds fühlen sich schneller rund an, andere brauchen lange, bis sie Fahrt aufnehmen. Das ist genretypisch, aber in Rainbow Legends fällt es stärker auf, weil das Gebietssystem ohnehin schon mehr Planung verlangt.
Die Steuerung ist grundsätzlich okay. Mit Maus und Tastatur lässt sich das Kartenspiel gut bedienen. Das Platzieren auf dem Feld sollte für PC-Spieler schnell selbstverständlich werden. Ich würde mir allerdings wünschen, dass Rainbow Legends manche Informationen noch komfortabler bündelt. Gerade bei längeren Sessions zählt jeder kleine UI-Handgriff. Ein Deckbuilder darf komplex sein, aber er sollte nie den Eindruck vermitteln, dass man gegen die Oberfläche spielt.
Technisch wirkt Rainbow Legends angenehm genügsam. Die Systemanforderungen sind niedrig, und der Stil ist ohnehin nicht auf Hardware-Pomp ausgelegt. Das passt. Ein Spiel wie Rainbow Legends muss auf möglichst vielen Rechnern laufen, nicht Grafikkarten zum Schwitzen bringen. Wichtiger sind Stabilität, Lesbarkeit und Tempo. Genau dort ist der Titel weitgehend solide, auch wenn sich die Oberfläche insgesamt noch etwas geschmeidiger anfühlen dürfte.
Beim Umfang hat Rainbow Legends einiges zu bieten: mehrere Klassen, zahlreiche Relikte, viele Karten, freischaltbare Elemente und zufällige Begegnungen. Das ist nicht wenig. Entscheidend wird langfristig sein, ob die Runs genug Abwechslung erzeugen und ob die stärkeren Builds auch nach vielen Stunden noch überraschen. Der Kern ist stark genug, um länger zu motivieren. Ob Rainbow Legends aber denselben Langzeit-Sog wie die ganz großen Deckbuilder entwickelt, würde ich vorsichtig bezweifeln. Dafür fehlt ihm noch ein wenig die absolute Eleganz.
Mir gefällt vor allem, dass Rainbow Legends zwischen Kopf und Bauch pendelt. Einerseits plant ihr Züge, zählt Felder, prüft Reichweiten und wägt Risiken ab. Andererseits gibt es diesen simplen, befriedigenden Moment, wenn sich nach einer Karte mehrere Felder in eure Farbe drehen. Das versteht man sofort. Gebiet gehört mir. Gebiet gehört nicht dir. Mehr braucht es manchmal gar nicht.
Diese Direktheit macht Rainbow Legends zugänglich, obwohl es unter der Oberfläche einiges zu verarbeiten gibt. Und genau das ist ein gutes Zeichen. Ein Strategiespiel muss nicht alles sofort erklären, aber es sollte euch möglichst früh spüren lassen, warum seine Mechanik Spaß macht. Rainbow Legends schafft das.
So positiv der Eindruck insgesamt ist: Rainbow Legends ist kein makelloser Geheimtipp, den man blind jedem Deckbuilder-Fan vor die Füße werfen sollte. Dafür gibt es zu viele kleine Ecken.
Technisch gab es zum Testzeitpunkt noch einige Abstürze sowie Bugs, welche ein weiterkommen im Spiel vollkommen unmöglich machten. Sowas darf in einer Vorabversion vorkommen, aber zu Release sollten solche gravierenden Fehler ausgemerzt sein. Immerhin sind die Entwickler fleißig am Patchen, weshalb ich hier zumindest keinen verdacht auf unspielbare Abandonware hegen möchte.

Fazit: Ein guter Deckbuilder mit Mängeln
Rainbow Legends von Unpixel Cloud Cedar Studio st kein neues Genre-Wunder, aber ein erfreulich eigenständiger Roguelike-Deckbuilder. Die Idee, Schaden über Gebietskontrolle entstehen zu lassen, funktioniert besser, als es auf dem Papier vielleicht klingt.
Grafisch ist Rainbow Legends genügsam. Der Sound erfüllt seinen Zweck, bleibt aber unspektakulär. Die Story ist nettes Beiwerk, nicht der Hauptgang. Das Gameplay dagegen kann weitgehend überzeugen. Sobald Kartenformen, Strukturen, Relikte und Gebietspunkte ineinandergreifen, entwickelt Rainbow Legends einen angenehmen Sog.
Falls ihr Interesse an dem Spiel habt, könnt ihr es HIER auf Steam erwerben. Falls das nichts fr euch ist und ihr Lieber ein paar Monster jagen wollt, schaut euch doch mal Monster Crown: Sin Eater an, welches wir für euch getestet haben und lasst uns in den Kommentaren wissen, was ihr von Rainbow Legends haltet.

Zusammenfassung
Zusammenfassung
Deckbuilder Fans die eine Abwechslung suchen greifen zu, alle Anderen schauen sich anderweitig um.
Positives
spannende Spielidee regelmäßige Patches hohes ErweiterungspotentialNegatives
unbeeindruckende Präsentation viele technische Fehler undurchsichtige Mechaniken- Grafik73%
- Sound60%
- Story61%
- Gameplay77%
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