Review

The Run: Starker FMV-Horror mit frustrierendem Ende

The Run Cover

Ihr mögt FMV-Spiele, in denen ihr nicht nur zuschaut, sondern ständig mit einem schlechten Gefühl im Bauch die nächste Entscheidung treffen müsst? Dann ist The Run von PRM Games genau so ein Kandidat für euch. Und ich sage es direkt: The Run hat mir über weite Strecken wirklich gut gefallen. Das Ding ist spannend, atmosphärisch, gut gespielt und weiß erstaunlich genau, wann es Druck machen muss. Aber dann kommt dieses Ende. Und genau da stolpert The Run für mich auf den letzten Metern so deutlich, dass ich nach einem insgesamt starken Lauf trotzdem mit einem bitteren Beigeschmack zurückgeblieben bin.

Entwicklerstudio: PRM Games

Publisher: PRM Games

Platformen: PC, Android, IOS

Releasedatum: 05.02.2026

Metacritic Userscore : n.A / 10

Grafik: Einer der größten Pluspunkte von The Run

Bei einem FMV-Spiel ist die Rubrik „Grafik“ natürlich etwas anders zu lesen als bei einem klassischen 3D-Titel. Es geht hier nicht um Polygonzahlen, Raytracing oder Materialshader, sondern um Bildsprache, Kameraarbeit, Schnitt und darum, ob die Live-Action-Inszenierung trägt. Und da liefert The Run für mich deutlich mehr ab, als man bei kleineren Genreproduktionen, wozu The Run definitiv gehört, oft erwarten darf. Die norditalienische Bergkulisse ist nicht bloß Hintergrundtapete, sondern ein echter Stimmungsträger. Wege, Wälder, Felsen, Brücken und abgeschiedene Orte geben dieser Horror Extravaqganza genau diese Mischung aus Schönheit und Unbehagen, die ein Survival-Thriller braucht. Offiziell hebt The Run diese Berglandschaft selbst als zentrales Setting hervor, und das ist absolut nachvollziehbar ob der fantastischen Kulisse.

Dazu kommt, dass The Run visuell erstaunlich sauber wirkt. Viele FMV-Spiele sehen aus, als hätte jemand einen mittelmäßigen Streaming-Film mit ein paar Buttons versehen. Dieser Titel jedoch kommt deutlich hochwertiger rüber. Die Kamera bleibt meist nah genug an Zanna, um Panik und Verletzlichkeit zu transportieren, nutzt die Umgebung aber gleichzeitig gut aus, um Orientierung und Bedrohung miteinander zu verbinden. Ihr habt also nicht nur das Gefühl, dass etwas Schlimmes passiert, sondern auch, dass euch diese Landschaft jederzeit verschlucken kann. Das ist ein großer Stressfaktor für den Spieler, und The Run lebt stark davon, dass der Raum selbst zur Stressquelle wird.

Besonders gut gefällt mir, wie Gewalt und Brutalität visuell eingesetzt werden. Das Spiel macht aus seinen Horror-Elementen keinen splattrigen Jahrmarkt, versteckt sie aber auch nicht. Die offiziellen Angaben sprechen von regelmäßigen Darstellungen von Gewalt und Gore, abhängig von den getroffenen Entscheidungen und genau diese Variable macht hier viel aus: Nicht jede Eskalation wird euch aufgezwungen, aber wenn ihr danebenliegt, fühlt sich die Konsequenz eben auch ob der visuellen Darstellung wie eure Schuld an. Das ist für ein interaktives Horror-Spiel genau die richtige visuelle Form von Gemeinheit die den Spieler an der Stange hält

The Run SS1

Sound: Nicht spektakulär, aber mit großer Wirkung

Wenn The Run in grafischer Hinsicht die Kulisse als Waffe nutzt, dann macht es dasselbe akustisch mit seiner Soundkulisse. Das Spiel lebt dabei aber nicht davon, dass euch permanent irgendein Monster-Brüllen das Trommelfell platzen lässt. Viel wichtiger ist, wie Stille, Atmung, Schritte, raschelnde Umgebung und plötzlich einsetzende Stresssignale in einer Symphonie des Graues vermengt werden. Gerade in einem Spiel, das fast vollständig auf Flucht und Bedrohung setzt, ist ein Rhythmus des Grauens entscheidend. Und Regisseur Paul Raschid versteht diesen Rhythmus.

Auch die Sprachausgabe trägt viel. The Run hat dabei den Vorteil, dass die Besetzung nicht völlig namenlos ist: Offiziell nennt das Spiel Roxanne McKee, George Blagden, Jamie Ward sowie Dario Argento und Franco Nero als Teil des Casts. Das hört sich erst einmal nach einem PR-Satz an, aber hier hat diese Besetzung tatsächlich Gewicht, weil The Run von Präsenz lebt. Wenn euch die Figuren in so einem Format egal sind, fällt das ganze Kartenhaus in sich zusammen.

Ich würde nicht behaupten, dass The Run musikalisch in irgendeiner Weise heraussticht. Das muss es aber auch gar nicht. Der Score erfüllt vor allem seinen Zweck: anspannen, zuspitzen, manchmal irreführen. Wichtiger ist, dass hier die Geräuschebene selten überladen wirkt. Das Spiel vertraut oft darauf, dass Schritte im Wald, hastiges Atmen oder ein kurzer Moment unheimlicher Ruhe mehr leisten als ein übermotivierter Horror-Soundtrack. Das ist klug. Gerade FMV-Spiele machen oft den Fehler, ihre Filmhaftigkeit mit zu viel Musik beweisen zu wollen. The Run bleibt meist disziplinierter.

The Run SS2

Story: Spannend und bis kurz vor Schluss richtig gut

Die Geschichte von The Run ist auf dem Papier kein Geniestreich. Eine berühmte Fitness-Influencerin fährt in die Berge, hat ein traumatisches Päckchen mit sich herumzutragen (welches soweit ich erkennen kann übrigens so gut wie keine Rolle in der Handlung spielt) und wird von maskierten Killern gejagt. Das ist kein Plot, bei dem man sofort an narrative Revolution denkt. Aber wisst ihr was?

The Run versteht, dass gute Thriller nicht zwingend von originellen Zutaten leben, sondern davon, wie sauber sie diese Zutaten anordnen. Zanna funktioniert als Hauptfigur gerade deshalb, weil sie nicht nur Opfer sein will. Offiziell wird sie als Figur mit harter Fassade und traumatischer Vergangenheit beschrieben, und genau dieses Spannungsfeld gibt genug Angriffsfläche für Entscheidungen, Zweifel und emotionale Zuspitzung.

Was ich diesem Titel sofort zugutehalte: Das Spiel verschwendet kaum Zeit. Viele FMV-Titel brauchen ewig, bis sie ihre Grundsituation auf den Punkt bringen. The Run macht das wesentlich besser. Die Prämisse ist simpel, fast schon herrlich pulpy: schöne Landschaft, isolierte Hauptfigur, maskierte Jäger, verdrängte Vergangenheit, falsche Entscheidungen mit drastischen Folgen. Das ist nicht subtil, aber oft gerade deshalb effektiv. Hier erwartet euch kein verkopfter Meta-Horror sondern eine eindeutige und klare Hetzjagd.

Was mir dabei wirklich gefallen hat, ist das Tempo, mit hier Fragen aufgeworfen werden. Wer jagt Zanna? Warum genau? Wem kann man trauen? Welche Entscheidungen sind klug, welche scheinen nur so zu sein? The Run hält diese Unsicherheit über lange Strecken ziemlich gut aufrecht. Das Spiel ist nicht permanent brillant geschrieben, aber es versteht wie Spannung aufgebaut und beibehalten wird. Und das ist hier deutlich wichtiger als literarische Eleganz. Manche Dialoge wirken ein wenig surreal, manche Wendungen sind klar auf Effekt getrimmt, aber im Genre-Kontext passt das für mich. The Run fühlt sich eher wie ein sehr gutes, interaktives Thriller-B-Movie an als wie eine sterile Prestige-Produktion. Und genau das ist ein Kompliment.

Hinzu kommt, dass der Horror Flick seine interaktive Struktur sinnvoll in die Erzählung einwebt. Ihr trefft nicht nur kosmetische Entscheidungen, sondern bewegt euch durch echte Verzweigungen. Die offizielle Story-Map und die Angaben zu 20 Todesarten und 5 Enden machen deutlich, dass die Entwickler hier auf ein erneutes Durchspielen setzen. Anders gesagt: The Run ist kein Spiel, das einmal eine lineare Geschichte abspult und euch am Ende sagt, ihr dürft jetzt noch alternative Clips freischalten. Die Verzweigungen sind Teil der Identität dieses Spiels.

Und jetzt kommt der Haken. Oder besser gesagt: das Problem, das mir The Run am Ende so gründlich verleidet hat. Ohne zu spoilern: The Run schafft es für mich nicht, seine zuvor sauber aufgebaute Spannung wirklich befriedigend einzulösen. Ich mochte das Rätselhafte, ich mochte die aggressive Vorwärtsbewegung, ich mochte auch, dass hier lange nicht alles erklärt wird.

Ein gutes Thriller-Ende darf offen sein, es darf bitter sein, es darf euch sogar vor den Kopf stoßen – es muss sich nur verdient anfühlen. Und genau das tut das Ende von The Run für mich nicht. Es wirkte auf mich eher so, als wolle das Spiel im letzten Moment noch einmal besonders clever, besonders schockierend oder besonders bedeutungsschwer erscheinen, ohne die vom Spieler gestellte emotionale Rechnung sauber zu begleichen.

Das ist deshalb so schade, weil The Run bis dahin wirklich viel richtig macht. Ich war drin, ich war neugierig, ich war bereit, dem Spiel seine etwas pulpy Grundidee komplett abzukaufen. Aber statt einer Landung, die den vorherigen Weg aufwertet, bekam ich ein Finale, das mich eher aus dem Erlebnis herausgeworfen hat. Es ist zwar kein Totalausfall und es handelt sich hier deswegen beileibe um kein schlechtes Spiel, nur weil das Ende mich enttäuscht hat. Aber das Ende nimmt dem zuvor aufgebauten Sog fast die gesamte Wucht. Und bei einem Spiel, das so stark auf Spannung und Konsequenz setzt, ist das ein ziemlich dicker Kratzer in der schicken Fassade.

The Run SS3

Gameplay: Stark unter Druck

Gameplay in einem FMV-Spiel ist natürlich eine andere Baustelle als in einem Action-Horror Spiel mit freier Bewegung. The Run besteht vor allem aus Entscheidungen, Timing und dem Navigieren durch verzweigte Szenen. Offiziell bietet das Spiel zwei Modi: zeitgesteuerte Entscheidungen für mehr Druck und pausierte Entscheidungen für entspannteres Spielen oder Gruppenrunden. Das ist keine bloße Komfortfunktion, sondern eine der besten Ideen die seit einer Weile im Genre Einzug gehalten haben. Im Zeitmodus fühlt sich das Spiel genau so an, wie der Titel es verspricht: hektisch, unangenehm, fehleranfällig. Ihr reagiert nicht immer rational, sondern manchmal aus purem Stress. Genau daraus zieht The Run viel seiner Wirkung.

Der pausierte Modus wiederum ist perfekt, wenn ihr The Run mit anderen zusammen spielen wollt. Und genau da sehe ich für The Run auch eine seiner größten Stärken. Das Spiel eignet sich hervorragend für Couch-Diskussionen, Streaming-Runden oder dieses herrliche „Nein, nimm auf keinen Fall diese Option!“-Chaos, das gute Entscheidungs-Spiele so unterhaltsam macht. Dass die Entwickler diesen Modus explizit für Gruppenspiel und Zuschauerbeteiligung nennen, passt also absolut. The Run ist eines dieser Spiele, die alleine funktionieren, mit einer kleinen Runde aber fast noch mehr Spaß machen können. Ich habe das Spiel in diesem Modus mit einem Freund gemeinsam gespielt und hatte eine wirklich gute Zeit.

Besonders gelungen finde ich die Story-Map, die einem auch nach Abschluss des Spiels präsentiert wird. Viele FMV-Spiele kranken daran, dass Wiederholungen schnell lästig werden. The Run begegnet dem mit einer grafischen Übersicht über narrative Verzweigungen, die ihr nach und nach freischaltet. Dadurch bekommt das erneute Spielen einen viel klareren Reiz. Ihr wisst nicht nur, dass es andere Wege gibt, sondern seht ziemlich konkret, wo noch Lücken sind. Das ist motivierend und verhindert, dass sich das erzielen von 100% inThe Run wie stumpfes Trial-and-Error anfühlt. Wer auf alternative Pfade, Tode und Enden aus ist, bekommt hier ein deutlich saubereres Werkzeug als in vielen Genrevertretern.

Aufgrund der beschränkten Anzahl an Drehorten ist es hier jedoch nicht möglich einen massiven Entscheidungsbaum aufzubauen wie ihn beispielsweise die Visual Novel „The Letter“ bietet. Man sollte seine Erwartungen also entsprechend Genre- und Budgetkonform halten.

Was The Run außerdem nicht leisten kann – und auch gar nicht will –, ist mechanische Tiefe. Wer spielerische Komplexität sucht, wird hier nicht glücklich. Es gibt kein Kampfsystem, keine Erkundung im klassischen Sinn, kein Ressourcenmanagement und keine spielerische Freiheit.The Run ist und bleibt ein interaktiver Film. Ein guter, oft packender interaktiver Film, aber eben schlussendlich nur ein Film. Für mich ist das kein Makel, solange man mit den richtigen Erwartungen reingeht. Wer FMV mag, bekommt in The Run genau das, was er sucht. Wer beim Wort „Gameplay“ vor allem an Systeme denkt, dürfte sich deutlich schneller langweilen.

Technisch wirkt The Run recht ordentlich. In meiner Spielsession kam es zu keinem Absturz, oder sonstigen Problemen.

The Run SS4

Fazit: Ein ordentlicher Genrerepräsentant

Schlussendlich bleibe ich dabei: The Run ist ein gutes, stellenweise sogar sehr gutes FMV-Horror-Spiel. Es sieht stark aus, hat ein wirkungsvolles Setting, trifft das richtige Tempo, bietet sinnvolle Wiederspielbarkeit und versteht, wie man in diesem Format Druck erzeugt. Gerade Fans von interaktiven Filmen, entscheidungsbasierten Thrillern und kleinen, clever strukturierten Horror-Erlebnissen sollten sich The Run unbedingt ansehen.

Wer bisher mit Werken von Paul Raschid etwas anfangen konnte, bekommt hier erneut genau diese Mischung aus Film, Verzweigung und unangenehmen Dilemmata. Lediglich das ende ist bei mir Ungnade gefallen weil es sich für mich nicht wie die starke, verdiente Zuspitzung anfühlt, die dieses Spiel eigentlich gebraucht hätte. The Run läuft lange mit sicherem Schritt, nur um auf den letzten Metern zu straucheln und vor der Ziellinie zu stürzen.

Teilt ihr meine Meinung zu The Run? Dann lasst es mich in den Kommentaren wissen. Falls ihr eher auf Standbild statt Bewegtbild und deutlich mehr Humor steht, ist vielleicht ja Date Everything ein Titel, welcher bei euch auf Wohlwollen stößt.

Reviewbox
82%
Zusammenfassung
Zusammenfassung

FMV und B-Movie Fans greifen zu, Hochglanzliebhaber schauen sich woanders um.

Positives
Sehr saubere Bildsprache Sehr guter Spannungsbogen Glaubhafte Protagonisten
Negatives
Unnötig schlechtes Ende Keine deutsche Vertonung Kein riesiger Entscheidungsbaum
  • Grafik92%
  • Sound79%
  • Story70%
  • Gameplay85%

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