Review

Wander Stars – Ein Switch Highlight im Test!

Wander Stars Cover

„Wie groß die Macht der Worte ist, wird selten recht bedacht.“ , schreibt der deutsche Dramatiker Friedrich Hebbel. Im Universum von Wander Stars von Paper Castle Games, den Entwicklern von Underhero, herausgegeben von Fellow Traveller ist allerdings bekannt, dass Worte nicht nur im übertragenen Sinne über Macht verfügen, sondern auch ganz direkt im Kampf eingesetzt werden können. Ob ich Wander Stars für die Nintendo Switch in diesem Review eine verbale Abreibung verpassen muss oder diesem Titel ein paar Zärtlichkeiten ins Ohr flüstere, erfahrt ihr hier.

Entwicklerstudio: Paper Castle Games

Publisher: Fellow Traveller

Platformen: PCPlaystationSwitchXbox

Releasedatum: 19.09.2025

Metacritic Userscore : 6.5

Grafik

Stellt euch vor, es ist ein Samstagmorgen um das Jahr 2000 herum. Ihr liegt im Bett, der Regen prasselt an die Hausfassade. Ihr nehmt die Fernbedienung, schaltet RTL II ein – und was erwartet euch? Dragonball, Ranma, Mila Superstar – all die guten alten Animes aus den 80ern und 90ern, die euch euren Samstagmorgen versüßen. Stellt euch einfach bildlich vor, welche Inhalte über euren Bildschirm flackern würden, und stellt euch dann vor, das wäre ein Videospiel. Schon habt ihr die Optik von Wander Stars vor euch.

Selten habe ich ein Spiel gespielt, das den Charme dieser Optik zu 100 % einfängt. Bei Wander Stars musste ich direkt nachschauen, ob die Zeichner von damals am Werk waren. Hintergründe, Charaktermodelle und Fonts passen so gut zusammen, dass dieses Spiel eine absolute Anime-Augenweide ist.

Hinzu kommen erstklassige Animationen, die zusammen mit der allgemein sehr runden Optik den Eindruck befördern, dass dieses Spiel aus einem Guss stammt, der bereits in den 80ern in Japan angerührt wurde. Übrigens sind auch die Ladebildschirme eigens animiert und liebevoll gestaltet.

Die Menüs sind übersichtlich gestaltet, aufgrund der Farbauswahl jedoch etwas unintuitiv. Selbst nach mehreren Stunden Spielzeit konnte ich nicht feststellen, ob eine Fähigkeit ausgewählt wurde oder nicht, da eine gelbe Hervorhebung in manchen Fällen bedeutet, dass die Fähigkeit ausgewählt wurde, in anderen jedoch, dass sie nicht ausgerüstet ist. Hier hätte man etwas besser aufpassen müssen, um optische Perfektion zu erreichen.

Hin und wieder finden sich auch vollständig animierte Szenen in Wander Stars, wobei diese eher spärlich gestreut sind, was angesichts des eher geringen Budgets hinter dem Titel verständlich ist. Wenn sich dann jedoch Bildinhalte von selbst bewegen, sorgt dies immer wieder für Freude bei Retro-Anime-Fans.

Ist der Look von Wander Stars etwas für alle? Nein, definitiv nicht. Selbst Animefans werden sich über den Look wohl nicht alle einig sein, denn die Zeichnungen sind, wie bereits erwähnt, eher im etwas gröberen Retrostil gehalten. Wer also Feinschliff wie in diversen modernen Visual Novels, etwa Sunset Scream oder Date Everything, erwartet, wird eher enttäuscht sein. Da mich der gewählte Look jedoch sehr anspricht, kann ich abseits der Benutzeroberfläche nur positive Worte über Wander Stars verlieren.

Wander Stars SS1

Sound

All das, was im Bereich Grafik gesagt wurde, kann in der Kategorie Sound eigentlich nur wiederholt werden. Jeder einzelne Soundeffekt könnte vor 30 Jahren in einem Anime verwendet worden sein, allerdings in einer der heutigen Zeit angemessenen Qualität.

In den Kämpfen sorgen die Sounds dafür, dass die Angriffe ein gewisses Gewicht erhalten, und im Menü geben sie dem Spieler ein klares Feedback über die Ausführung von Aktionen.

Der Soundtrack von Wander Stars ist dem Umfang des Spiels angemessen, sticht aus meiner Sicht allerdings etwas weniger heraus als die Soundeffekte. Zwar gelingt es den Tracks, zu motivieren und entsprechend der Handlung für angemessene Stimmung zu sorgen, aber mir fehlt hier einfach der gewisse IT-Faktor, der Track, den ich auf meine Playlist packen möchte, das gewisse Quäntchen Perfektion, das sich wie ein Cha-La Head Cha-La ins Gedächtnis einbrennt.

Ein Voice-Over der zahlreichen Dialoge fehlt komplett. Hier wird auf klassische Piepgeräusche beim Erscheinen des Textes zurückgegriffen. Man stelle sich nur vor, wie bombastisch es gewesen wäre, altbekannte Stimmen aus der damaligen Zeit für die Charaktere zu gewinnen. So wie es jetzt umgesetzt ist, haben zumindest schnellere Leser die Möglichkeit, recht schnell durch den Text zu lesen, ohne ein schlechtes Gewissen wegen verpasster Voice-overs haben zu müssen. Ich hätte mir zumindest Grunzlaute oder einzelne Worte gewünscht, um den Charakteren noch etwas mehr Leben einzuhauchen.

Somit bleibt hinsichtlich des Sounds ein insgesamt solider Eindruck hängen. Ordentliche Soundeffekte werden von einem angemessenen Soundtrack begleitet. Lediglich ein Voiceover hätte hier noch für massive Verbesserungen gesorgt. Story: Es ist der Traum der jungen Kiai-Kämpferin Ringo, am großen Kiai-Turnier teilzunehmen und somit zur stärksten Kämpferin des Universums zu werden. Beim Kiai geht es jedoch nicht, wie in guter Dragonball-Manier, darum, seinen Feind mit Gewalt bewusstlos zu schlagen, sondern mithilfe von Worten den Feind zu besiegen.

Wander Stars SS2

Story

Als Ringo dann von ihrer Großmutter aus ihren Träumen gerissen und auf einen Botengang geschickt wird, landen plötzlich Aliens auf ihrer Insel. Ihre Welt gerät aus den Fugen, denn Wolfe, ein Wolfsmann, sucht eine Karte, die sie zu ihrem lange verschollenen Bruder führen könnte.

Also begibt sich Ringo auf ein intergalaktisches Abenteuer, das alles bietet, was eine gute Geschichte zu bieten hat, und dabei nicht an interessanten Charakteren und spannenden Wendungen spart. So viel zunächst als Zusammenfassung der Ausgangssituation, ohne zu viel vorwegzunehmen.

Die Geschichte von „Wander Stars” wirkt zu Beginn recht oberflächlich und trivial, dennoch hat sie mich durch ihre unerwartete Tiefe und ihren Unterhaltungswert überzeugt. Die Beziehungen zwischen den Charakteren sind dabei die größte Stärke. Besonders positiv hervorzuheben ist, dass die in Animes üblicherweise anzutreffenden Klischees und der Fanservice auf ein Minimum beschränkt sind.

Dadurch wirken die Charaktere einfach greifbarer und echter. Besonders, wenn man schon Jahrzehnte Anime-Input hinter sich hat, ist es erfrischend, weitgehend von den üblichen Marotten des Mediums verschont zu bleiben.

Mein größter Kritikpunkt an der Story ist, dass ich mir mehr Hintergrundgeschichte und Entwicklung für Wolfe und Ax, unseren tragischen Gegenspieler, gewünscht hätte. Die Gesamtgeschichte vermittelt das Gefühl, dass es eine längere Geschichte zu erzählen gab, der leider nicht genug Raum gelassen wurde. Dafür spricht auch, dass das Ende von „Wander Stars” ein wenig gehetzt wirkt. Zum Glück bereitet es uns Spieler:innen aber auf eine Fortsetzung vor, von der ich hoffe, dass sie eines Tages wirklich erscheint.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass die Handlung von „Wander Stars” insgesamt stimmig und gut erzählt ist, jedoch leider etwas zu kurz geraten ist. Nicht jedes Rollenspiel muss ein 100-Stunden-Titel sein, aber angesichts des durchaus vorhandenen Unterhaltungswerts hätte ich mir hier noch ein bisschen mehr gewünscht.

Wander Stars SS3

Gameplay

Das Gameplay von Wander Stars setzt sich grundsätzlich aus drei Komponenten zusammen. Zunächst haben wir eine Visual-Novel-Komponente, durch welche die Story vorangetrieben wird. Zwischen und während der einzelnen Episoden von Wander Stars finden wir uns immer wieder in visual-novel-ähnlichen Szenen wieder, in denen die Handlung vorangebracht wird.

In diesen beschränkt man sich als Spieler auf eine rein rezeptive Ebene, um der Handlung folgen zu können. Hin und wieder können Auswahlmöglichkeiten getroffen werden, die die Handlung jedoch nicht maßgeblich beeinflussen, da hier grundsätzlich eine lineare Geschichte erzählt wird.

Den zweiten Baustein des Gesamtkonstrukts Wander Stars bildet das Kampfsystem. In diesem gilt es, Hauptwörter mit Modifikatoren und Elementen zu verknüpfen, um Schaden auszuteilen. Beispielsweise habe ich das Wort „Kick“, welches zwei Schadenspunkte verursacht. Nun kann ich „Kick“ mit dem Element „Fire“ verknüpfen, wodurch ich zwei weitere Schadenspunkte verursache und eine Chance erhalte, den Gegner zu verbrennen. Füge ich dann noch „Special“ als Modifikator hinzu, multipliziert dieser die Schadenswerte des Angriffs mit 1,5, sodass ich (2 + 2) x 1,5 = 6 Schaden mit meinem Angriff verursache und den Gegner verbrennen kann.

Da die Gegner genauso agieren, es insgesamt über 200 verschiedene Wörter gibt und sowohl die Gegner als auch man selbst zahlreiche Schwächen und Resistenzen haben, wird dieses auf den ersten Blick simple, rundenbasierte Kampfsystem schnell sehr komplex. Dadurch entsteht ein seltener Fall von rundenbasierten Kämpfen, bei denen man nicht einfach nur auf A hämmern kann, um schnell fertig zu werden.

Um aus jeder Begegnung das Beste herauszuholen, muss man seine Worte effizient einsetzen und angemessen auf die zahlreichen Cooldowns und Synergien zwischen den auswählbaren Begriffen reagieren. Hier ist Action geboten, die bis zum Ende des Spiels weder eintönig noch langweilig wird.

Die dritte und letzte Komponente von Wander Stars bilden die Weltkarte und die Episodenauswahl. Wander Stars ist in insgesamt zehn Episoden eingeteilt, die wie Kapitel in anderen Spielen verwendet werden. In diesen Kapiteln bewegt man sich, ähnlich wie bei einem Brettspiel, über eine Karte, auf der bestimmte Ereignisse auftreten können. Hier gibt es oft mehrere Möglichkeiten, um ans Ziel zu kommen, wodurch dem Spieler einige Freiheiten bei der Bewältigung des Spiels gegeben werden.

Zwischen den Episoden gibt es die Möglichkeit, permanente Upgrades freizuschalten. Dies ist besonders wichtig, da jede Episode mit zufälligem Loot ausgestattet ist und alles, was darin gefunden wird, nur temporär ist und nach der Episode verschwindet. Lediglich die im Kampf gewonnene Ehre bleibt erhalten und kann gegen dauerhaft freigeschaltete Worte oder Statusboosts eingetauscht werden.

Mich persönlich erfüllt das Spielen von Wander Stars mit großer Freude. Der Schwierigkeitsgrad scheint mir sehr passend, da er auf mich herausfordernd, aber stets machbar wirkt. Dabei kommt es aber auch immer darauf an, ob man das Glück auf seiner Seite hat, denn wenn man nur schwache Worte und unpassende Upgrades erhält, kann es passieren, dass man im Kampf scheitert. Wenn man stirbt, verliert man die Hälfte der gesammelten Ehre und darf ab einem Checkpoint erneut sein Glück versuchen.

Für all jene, denen Wander Stars zu leicht ist, gibt es einen optionalen Challenge-Modus. Dieser macht zufällige Herausforderungen für jeden Kampf, stärkere Gegner und das Spiel ohne Checkpoints verfügbar. Für mich hätte es diese Option nicht gebraucht, doch für alle, die einen Drang zur Selbstgeißelung verspüren, könnte dieser Modus etwas sein.

Es gibt hier und da ein paar Bugs und die Benutzeroberfläche ist manchmal etwas klobig, aber nichts davon hat das Spielerlebnis wesentlich beeinträchtigt. Weshalb ich nicht allzu lange darauf herumreiten möchte. Es ist und bleibt ein Indie-Spiel von einem kleinen Entwicklerteam, das für seine Möglichkeiten gute Arbeit geleistet hat.

Wander Stars SS4

Fazit

Alles in allem ist „Wander Stars” von Paper Castle Games kein Spiel für stereotype Anime-Fans, da doch so manche heißgeliebte Konvention unerfüllt bleibt. Stattdessen richtet sich dieses Spiel an Fans rundenbasierter Kämpfe mit wunderschönem Old-School-Anime-Look und einer unterhaltsamen Geschichte als Ergänzung. Aus meiner Sicht ist es ein absolut rundes Gesamtpaket, ähnlich rund wie die Ziele, auf die man bei GoobnBaloonsDX schießt, das wir für die Nintendo Switch getestet haben.

Was haltet ihr von Wander Stars? Haben wir es ein wenig mit der Nostalgiebrille übertrieben, oder passt das inhaltlich schon alles? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

Reviewbox
85%
Zusammenfassung
Zusammenfassung

Absolute Kaufempfehlung für Fans von Retro Animes und rundenbasieten Kampfsystemen.

Positives
Innovatives Kampfsystem Spannende Handlung Variabler Spielablauf
Negatives
Unübersichtliche Menüführung Viele kleine Bugs Unvorhersehbarer Schwierigkeitsgrad
  • Grafik93%
  • Sound76%
  • Story87%
  • Gameplay85%

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