Seit den 1980er-Jahren gab es viele Macross-Titel, aber bis zum Beginn letzten Jahres ist keiner davon offiziell im Westen erschienen. „Macross -Shooting Insight-” von KAMINARI GAMES Inc., veröffentlicht von Bushiroad Inc., ist für uns Deutsche somit der Einstieg in das Macross-Universum. Ob dieser Einstieg gelungen ist, erfahrt ihr in unserem Review.
Inhaltsverzeichnis
Entwicklerstudio: KAMINARI GAMES Inc.
Publisher: Bushiroad Inc.
Platformen: PC, PS4/5, Switch 1/2
Releasedatum: 28.03.2024
Metacritic Userscore : 5.7
Grafik
Die Optik von „Macross – Shooting Insight” mutet zunächst ganz gelungen an. Alle Objekte sind dreidimensional gestaltet und die Hintergründe der Levels sind abwechslungsreich, sodass beim Durchfliegen der Ewigen Weite keine Langeweile aufkommt.
Das Spiel mit den vielen Perspektiven im Gameplay ist weitgehend gut gelungen. Allerdings wirkt sich die Abwechslung negativ auf den Überblick aus, den man beim Spielen über das Geschehen hat.
Während man in der klassischen Top-Down-Shooter-Perspektive eine ziemlich gute Übersicht hat, sieht die Third-Person-Perspektive hinter dem Schiff zwar zunächst cool aus, lässt sich aber nicht gut spielen. Es ist unmöglich, die Tiefe einzuschätzen, und die Schüsse sind auf horizontale Bahnen beschränkt. Glücklicherweise ist dies die am wenigsten verwendete Perspektive, die wie ein schwacher Star-Fox-Klon wirkt. Meiner Meinung nach verschlechtern diese Abschnitte das Spiel, auch wenn sie auf Screenshots cool aussehen.
Da es sich bei Macross – Shooting Insight um eine langjährige japanische Shooter-Reihe handelt, gibt es natürlich einige sehr japanische Elemente in diesem Spiel. Dazu zählt zum einen der Standard-Anime-Zeichenstil, mit dem die Zwischensequenzen in klassischer Visual-Novel-Manier illustriert wurden, aber auch Kurioseres.
So fängt beispielsweise an bestimmten Stellen ein NPC an zu singen und der Bildschirmrand wird mit Farben und Blumen gefüllt. Das ist ein wirklich seltsamer WTF-Moment in einem Spiel, in dem es darum geht, Feinde in der Dunkelheit des Weltraums zu zerstören. Ich bin mir sicher, dass es einen Grund dafür gibt, dass Weltraumdamen in teilweise sehr sexualisierten Outfits während des Kampfes singen. Es lenkt jedoch furchtbar von den schwierigen Weltraumschlachten ab. Außerdem macht es das Spiel unübersichtlicher, da der Glitzer den Bildschirmrand ausfüllt und die Sicht einschränkt.
Abschließend kann ich sagen, dass die Optik von Macross Shooting Insight abgesehen von einigen Teilen des Spiels und seltsamen Designentscheidungen hier und da recht gut gelungen ist. Hier werden keine großen Sprünge nach vorne gemacht und man fragt sich auch nicht, ob die Entwickler in der Vergangenheit hängen geblieben sind. Macross – Shooting Insight ist in dieser Hinsicht absolut in Ordnung.

Sound
Wenn es um den Sound von Macross – Shooting Insight geht, wird es relativ spannend, denn hier haben KAMINARI GAMES Inc., ein Potpourri von gut und katastrophal zusammengerührt, welches einen absolut gemischten Eindruck hinterlässt.
Grundsätzlich beschränkt sich der Soundtrack auf standardmäßiges, heroisch-episches Gedudel, das so mittelmäßig ist, dass es in keiner Weise erwähnenswert ist. Doch dann kommen die Sängerinnen, die ich bereits zuvor erwähnt habe, und schmettern einen Anime-Pop-Hit heraus, der zwar fetzig sein mag, aber nicht wirklich gut zur Situation passt.
Die Sprachausgabe des Spiels ist ausschließlich auf Japanisch, was in den Visual-Novel-Passagen kein Problem darstellt. Die diversen Soundbits, die in den Kampfpassagen immer und immer und immer wieder zu hören sind, sind spätestens nach 20 Minuten dermaßen nervig, dass man sie schnellstmöglich abstellen möchte.
Dazu kommt, dass Personen, die dem Japanischen nicht mächtig sind, keinerlei Mehrwert von der Synchro in den Gameplay-Passagen haben. Diese überlappen sich auch gerne mal, sodass zwei oder drei Soundbits gleichzeitig auftreten.
Versteht mich bitte nicht falsch: Macross – Shooting Insight ist kein Spiel, das ihr auf Stumm schalten solltet. Aber es braucht einen ganz besonderen Spielertyp, um dauerhaft Freude an diesem Titel zu finden.

Story
Für uns westliche Gamer bietet Macross – Shooting Insight einen seltsam anmutenden Einstieg in das Macross-Universum, weil sich der Titel die Freiheit nimmt, Helden und Handlungspunkte aus früheren Spielen zu mischen. Für Fans der Serie ist dies ein fantastisches Nostalgieerlebnis, für alle Neueinsteiger jedoch maximal verwirrend, da einiges an Macross-Wissen vorhanden sein muss, um der langen und teils langatmigen Story zu folgen.
Tatsächlich gibt es in Macross – Shooting Insight überraschend viele Dialoge. Diese sind nicht nur unnötig lang, sondern auch schwer zu verstehen, da Englischsprachige keinen Kontext aus der komplexen Geschichte haben, in die dieser Titel eingeordnet ist.
Leider ist es auch wenig hilfreich, dass keine englischsprachige Synchronisation vorhanden ist und viele Storyaspekte nebenbei beim hektischen Gameplay auf Japanisch erzählt werden. Zwar gibt es Untertitel, die bei dem teilweise schnellen Gameplay allerdings nicht zu lesen sind.
Soweit ich es in meinem Spiel verstanden habe, gibt es irgendwelche „Songstresses“, also Sängerinnen mit magischen Kräften. Kräften gibt und dass Weltraumwale als Energiequellen verwendet werden können. In „Macross – Shooting Insight“ müssen wir als Spieler außerirdische Wesen im Kampf um diese beiden Ressourcen erledigen.
Das klingt konfus und fühlt sich auch genau so an. Ich schäme mich ein wenig dafür, dass ich das Ganze hier nicht präziser wiedergeben kann, aber das ist leider alles, was nach rund zehn Stunden des Anzockens dieses Titels hängen geblieben ist.
Alles in allem weckt dieser wortreiche Shooter wahrscheinlich keine Neugier auf frühere Veröffentlichungen der Reihe. Aber wenigstens können jetzt auch englischsprachige Spieler offiziell an dieser langjährigen Serie teilhaben. Schade, dass man kaum die Möglichkeit hat, der Handlung zu folgen.

Gameplay
Wenn man ehrlich ist, kann Macross – Shooting Insight schon fast als fünf Spiele in einem betrachtet werden: Ein vertikaler Shooter, ein horizontaler Shooter, ein Twin-Stick-Shooter mit freier Bewegung, ein Third-Person-Shooter aus der Schulterperspektive und eine Visual Novel verbergen sich nämlich unter der Haube dieses Titels.
Dazu gibt es auch noch mehrere wählbare Charaktere, die jeweils ihr eigenes Schiff haben. Dieses lässt sich unterschiedlich steuern und bietet unterschiedliche Schussmodi. Dabei folgen alle Charaktere ihrer eigenen Erzählung, die aber letztendlich zahlreiche Gemeinsamkeiten aufweist.
So könnte beispielsweise ein Pilot die Quest als horizontaler Shooter beginnen, während ein anderer als vertikaler Shooter startet und schließlich gegen dieselben Bosse und Bösewichte antritt. Leider versucht Macross – Shooting Insight ein Alleskönner-Shooter zu sein und macht dabei bei keinem Element besonders viel richtig.
Es handelt sich auch nicht um ein rasantes, verrücktes Bullet-Hell-Spiel. Stattdessen ist das in „Macross – Shooting Insight” vertretene, langsamere Gameplay methodischer, mit selten mehr als ein paar Gegnern gleichzeitig auf dem Bildschirm. Das klingt für Genreveteranen nun so, als ob man hier einfach mal schnell durchzocken könnte. Allerdings muss ich hier eine deutliche Warnung aussprechen:
„Macross – Shooting Insight” ist ein – und das sage ich vollkommen unironisch – ultra schwieriges Spiel, und das in einem Genre, welches sowieso durch seine Arcade-Geschichte eher am oberen Ende der Schwierigkeitsskala angesiedelt ist.

Der Spieler hat nur ein Leben und kann ein paar Treffer einstecken, die seinen Lebensbalken reduzieren, bevor er explodiert. Die Levels sind jedoch lang, oft zwischen fünf und zehn Minuten. Selbst das erste Level zu überleben ist ein Triumph, der nur erreicht werden kann, wenn man seine Reflexe durch Auswendiglernen trainiert.
Fast alle Aspekte von „Macross – Shooting Insight” sind darauf ausgelegt, es dem Spieler so schwer wie möglich zu machen, die Credits zu erreichen – teilweise sogar bis ins Lächerliche hinein. Schafft man es beispielsweise, das erste Level knapp zu überleben, wird in jedem anderen Spiel die Gesundheit des Spielers in der nächsten Stufe wieder aufgefüllt. Nicht so hier.
Das heißt, man wird zu Beginn der folgenden Stufe sofort erledigt und findet sich auf dem Game-Over-Bildschirm wieder. Der Titel ist vielleicht nicht so schwer wie das Original R-Type, aber er wird definitiv die Ausdauer von Zockerfreunden auf die Probe stellen, die die Grundprinzipien des modernen Gamedesigns gewohnt sind.
Die einzige Möglichkeit, die lange Kampagne abzuschließen, war für mich, alle spielerfreundlichen Einstellungen im Optionsmenü zu aktivieren: „Sehr einfach“ als Schwierigkeitsgrad, die Gesundheitsanzeige um zusätzliche 100 % erhöhen und die Gesundheitsregeneration aktivieren. Zusätzlich hat es sehr geholfen, dass eines der Schiffe statt einzelner Laser eine Streufeuerschusswaffe abfeuert, sodass ich die normalen Standardgegner tatsächlich töten konnte, ohne den Inhalt meines Lebensbalkens dauerhaft zu riskieren. Leider werden die Punktestände nicht in die Bestenliste aufgenommen, wenn man sich solche Freiheiten nimmt. Das hat mich ein bisschen enttäuscht.
Unabhängig davon, ob man vertikal, horizontal, hinter dem Schiff im Third-Person-Shooter-Stil oder im Freifeldmodus fliegt: Als Spieler von Macross – Shooting Insight hat man zu jedem Zeitpunkt Zugriff auf einen Basisschuss sowie einen Superschuss, sobald ein Meter gefüllt ist. Außerdem kann man Objekte auf dem Bildschirm mit dem rechten Stick markieren. Feinde, die von dieser Markierung erfasst werden, werden dann anvisiert und können mit Zielsuchraketen abgeschossen werden.
Bis ich den Piloten mit dem eingebauten Streuschuss gefunden hatte, war dieser Analogstick-Angriff die einzige Möglichkeit, mich gegen die Gegnerhorden zu wehren, da der Standardschuss doch etwas schwach war. Abgesehen davon fehlt einfach eine gute Methode, um sich der Feinde zu entledigen.
Die Dash-Bewegung, die durch Drücken der Kreis-Taste für einen kurzen Moment I-Frames gewährt, wird ebenfalls zu einer unverzichtbaren Fähigkeit, da Bosse oft ansonsten unvermeidbare Angriffswellen ausführen, bei denen ein einziger Fehler den gesamten Run ruinieren kann.
Ein weiteres Ärgernis bei „Macross – Shooting Insight” ist, dass sich die Optionen während des Spiels nicht anpassen lassen. Die einzige Möglichkeit, eine Einstellung zu ändern, besteht darin, zum Hauptmenü zurückzukehren und von vorne zu beginnen.

Fazit
Macross – Shooting Insight von KAMINARI GAMES Inc., gepublished von Bushiroad Inc., ist ein enttäuschendes Debüt für das westliche Publikum. Der Schwierigkeitsgrad ist brutal unfair, die langatmige Story stört nur und ergibt keinen Sinn – selbst wenn man sich die Zeit nimmt, sie zu lesen. Die Mischung der verschiedenen Shooter-Typen ist zwar interessant, aber keiner davon ist wirklich gut umgesetzt. „Macross – Shooting Insight“ versucht zu viel und leidet dadurch in allen Bereichen. Wenn ihr Macross – Shooting Insight selbst ausprobieren wollt, könnt ihr den Titel aktuell für 38,99 € auf Steam oder 39,99€ im Nintendo Eshop erwerben. Alternativ ist vielleicht WORSHIP ein passender Titel für euch, sofern ihr bock habt ein mächtiger Kultistenführer zu werden.
Lasst uns in den Kommentaren wissen, was ihr von diesem japanischen Space-Shooter haltet.

Zusammenfassung
Zusammenfassung
Nur Absolute Franchisefreunde sollten einen näheren Blick auf diesen Titel werfen.
Positives
Erster MACROSS Titel im Westen Netter Artstyle Viel Abwechslung im Gameplay.Negatives
Nicht nachvollziehbare Story Wenig Überblick auf dem Bildschirm Albtraumhafter Schwierigkeitsgrad- Grafik63%
- Sound61%
- Story54%
- Gameplay64%
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