Review

Crow Country – klassischer Survival-Horror ohne Schnickschnack

Crow Country Cover

Diejenigen unter uns, die alt genug sind, um sich an die Zeiten klassischer PSX-Survival-Horror-Spiele wie Resident Evil, Parasite Eve oder Silent Hill zu erinnern, kennen das nostalgische Gefühl, das einen überkommt, wenn man an diese Titel denkt. Crow Country schafft es, diese Gefühle wieder aufleben zu lassen. Dieser im Jahr 2024 erschienene Titel von SFB Games ist nicht nur wundervoll klassisch inszeniert, sondern präsentiert auch eine neu interpretierte Mischung aus Horror, Story und Rätseln, die Genrekennern voll und ganz gerecht wird.

In diesem Review möchte ich euch, insbesondere mit Blick auf die physische Veröffentlichung am 7. November, erläutern, warum es sich lohnt, Crow Country zu spielen und die Nostalgie längst vergangener Zeiten neu aufleben zu lassen.

Um zu vermitteln, was Crow Country so besonders macht, möchte ich wie immer die Aspekte durchgehen, die ein Spiel eben ausmachen. Grafik, Sound, Gameplay und Story. Dann werden wir sehen, ob sich ein Kauf der physischen Version von „Crow Country” für euch lohnt.

Entwicklerstudio: SFB Games

Publisher: SFB Games

Platformen: PCPlaystation 4/5Switch, Xbox

Releasedatum: 09.05.2024

Metacritic Userscore : 8.0

Grafik

Beginnen wir mit der Grafik: Man kann gar nicht müde werden, den fantastischen Retro-Stil der 90er-Jahre hervorzuheben, durch den die Umgebungen wunderschön klassisch wirken. Stellt euch einfach den bekannten Vergnügungspark aus Silent Hill 3 vor und baut in eurer Fantasie ein komplettes Spiel darum.

Dann skaliert man die Optik auf PSX-Niveau herunter, ersetzt die Over-the-Shoulder-Perspektive mit einer leicht nach unten geschwenkten, aber frei drehbaren Top-Down-Sicht und schon weiß man, welche Optik einen in Crow Country erwartet.

Die Entwickler haben hier einfach alles richtig gemacht. Durch die simple Optik haben sie das erreicht, was vielen modernen Horrorspielen nicht gelingt: Sie regen die Fantasie der Spieler an und bringen sie dazu, sich vor dem zu fürchten, was sie nicht sehen.

Crow Country SS1

Sound

Auch in puncto Sound braucht sich Crow Country vor nichts und niemandem zu verstecken. Wer auch nur einen einzigen Schuss aus der Pistole der Protagonistin abfeuert, bemerkt sofort, dass die knackigen Soundeffekte des Spiels es in sich haben und stolz verkünden: „Wir sind da und liefern ab, wenn man uns braucht.”

Die Musik ist eine Mischung aus dem, was wir aus Silent Hill, Signalis und Lone Survivor gewohnt sind: eine Reihe schöner Ambient-Tracks, skurrile Stücke, die unglaublich charmant daherkommen, und furchterregende Dissonanzen, die besonders im Lategame alles dafür tun, dass die Spieler echte Horrorgefühle entwickeln und diesem Freizeitpark des Horrors namens Crow Country einfach nur entfliehen möchten.

Eine wirkliche Meisterleistung, die den Entwicklern von Crow Country hier gelungen ist: den Geist der Vergangenheit so gut einzufangen und auf die Spieler loszulassen. Selten habe ich ein modernes Horrorspiel gesehen, das versteht, wie man Musik und Sound einsetzen muss, um nicht nur kurzlebige Angst, sondern langfristige Furcht zu erzeugen.  Die fantasieanregende Atmosphäre von Crow Country hat jedoch das Potenzial, genau das zu tun.

Crow Country SS2

Story

Die Betrachtung der Story steht nun als nächstes an. Bei Crow Country haben wir einen einfachen, aber charmanten Mystery-Plot vorliegen, der auch mit netten Wendungen aufwarten kann. Er bringt einen über die recht kurze Spieldauer von fünf bis sechs Stunden stets dazu, neue Facetten der Handlung zu entdecken.

Alles beginnt mit einer einfachen Prämisse: Der Eigentümer des Freizeitparks Crow Country wird vermisst und wir müssen ihn in unserer Rolle als Polizeibeamte finden. Schnell merken wir jedoch, dass an der ganzen Sache irgendetwas nicht stimmt, dass hinter den Kulissen von Crow Country mehr vor sich geht, als man meint, und dass unsere Protagonistin tiefer in die Sache verstrickt ist, als es zunächst den Anschein hat.

Dabei ist es glücklicherweise so, dass die Handlung nicht übermäßig verworren daherkommt. Man kann ihr leicht folgen und läuft eigentlich nie Gefahr, nicht zu verstehen, was gerade handlungstechnisch auf dem Tableau liegt. Dennoch gibt es genug Geheimnisse, um die mysteriöse Atmosphäre, die sich beim Erkunden von Crow Country auftut, aufrechtzuerhalten und den Spieler beim Vorankommen anzutreiben.

Wer allerdings tiefgreifende Charakterstudien oder eine umwerfende Handlung erwartet, wird enttäuscht, denn damit kann und will „Crow Country” nicht aufwarten.

Niemand wird tagelang über die Handlung von Crow Country nachdenken, auf Reddit Theorien schmieden und Mysterien entschlüsseln, wie es bei Silent Hill 2 oder dem neueren Signalis der Fall war. Die pulpy Story erfüllt ihren Zweck, den Spieler durch Crow Country zu führen, und verleiht allem, was man auf dieser Reise erlebt, ein wenig Würze, ohne den Spielspaß zu beeinflussen.

Crow Country SS5

Gameplay

Reden wir abschließend nun noch ein wenig über das Gameplay, das für manche vielleicht etwas angestaubt daherkommt, aber in Wahrheit den Geist des Survival-Horrors der Vergangenheit optimal einfängt.

Man sollte sich stets überlegen, ob es einen Mehrwert hat, die Gegner, die sich einem in den Weg stellen, abzuschießen, oder ob man nicht versucht, sich durch sie hindurchzuwuseln.

Gesundheit und Munition sind Ressourcen, mit denen gehaushaltet werden muss und die gegeneinander abgewogen werden sollten, um das Abenteuer durch den Freizeitpark Crow Country zu bestehen.

Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad stellt das alles noch kaum ein Problem dar, da man mit ein wenig Übung gut um Gegner herumgehen kann, weil man ihre Positionen kennt, oder weil man im Kampf mit ihnen geübter geworden ist. Auf den höheren Schwierigkeitsgraden nimmt das Spiel jedoch eine andere Form an, besonders, wenn man den begehrten S-Rang freischalten und das Spiel somit vollständig abschließen möchte.

Trotz der klassischen Steuerung wurden praktische Änderungen eingebaut: Die Kamera dreht sich beispielsweise automatisch, wenn man mit der Waffe zielt, und es gibt eine Hinweismaschine, die den Spielern eine gewisse Anzahl an Tipps zur Verfügung stellt, wenn sie allzu unbeholfen durch Crow Country stolpern und um diese Hilfe bitten.

Was den Schwierigkeitsgrad der Rätsel angeht, finden wir hier ein mittleres Niveau vor. Die meisten Rätsel sollten für Veteranen kein Problem darstellen, wobei es tatsächlich einige gibt, die wirklich zum Nachdenken anregen.

Es muss jedoch erwähnt werden, dass es für die meisten Rätsel mehrere im Spiel verteilte Hinweise gibt, die zur Lösung führen. Ein Beispiel dafür, wie gut dies umgesetzt ist, ist eine Tür mit Zahlenschloss im späteren Spielverlauf.

Um diese zu öffnen, kann man entweder ein relativ langwieriges Rätsel lösen, um Hinweise auf die notwendige Zahlenkombination zu erhalten, oder man denkt darüber nach, wer die Tür eingebaut hat, schaut an einem Ort nach, an dem die Person viel Zeit verbracht hat, und findet durch Drehen der Kamera die Lösung, die an eine Wand geschrieben ist.

Solche variablen Möglichkeiten, wie der Spieler die Rätsel angeht, findet man in Crow Country zuhauf – und genau das ist es aus meiner Sicht, was den Charme dieses Titels ausmacht. Vielfalt, gewürzt mit Nostalgie und reichlich neuen Ideen für hungrige Survival-Horror-Fans.

Positiv anzumerken ist außerdem der vorhandene Wiederspielwert. Durch die höheren Schwierigkeitsgrade und freischaltbaren Boni kann man diesen Titel gerne auch ein zweites oder drittes Mal durchspielen. Aufgrund der kurzen Spieldauer eignet er sich definitiv zum Speedrun.

Leider bewegt sich das Ganze nicht auf dem Niveau des Resident-Evil-1-Remakes, welches auch zusätzliche Modi und besondere Herausforderungen anbietet, um einen Mehrwert zu erzeugen.

Dabei strapaziert das Spiel zu keinem Zeitpunkt die Geduld der Spieler mit unnötigen Nebenhandlungen und Fetch-Quests. Das ist in der heutigen Zeit des Spielebloats ein echtes Plus.

Auch die Achievements sind relativ einfach zu erhalten, für diejenigen, die sich dafür interessieren. Nach nur einem ordentlichen und guidelosen Durchspielen konnte ich bereits 13 von 15 verfügbaren Herausforderungen abschließen. Die beiden, die ich nicht erlangt habe, betreffen einmal den Abschlussrang und eine optionale Herausforderung, die ich in meinem Durchlauf nicht bemerkt habe.

Crow Country SS4

Fazit

„Crow Country” von SFB Games ist ein wirklich fantastisches Spiel mit toller Atmosphäre, großartiger Musik, niedlicher Retro-Grafik und unglaublich charmanten, handgefertigten Umgebungen. Das solide Survival-Horror-Gameplay kommt ab und zu ein wenig zu einfach daher, bildet aber die Basis meiner Empfehlung, die von einer zweckmäßigen, aber unterhaltsamen Story ausgebaut wird. Wer Lust auf Crow Country hat, kann es sich für nur 19,50 € auf Steam zulegen oder die physische Version für rund 35 € erwerben. Wenn euch Crow Country gefällt, wird euch bestimmt auch Corridden gefallen, welches zwar kein Horrorspiel ist, aber klassische ARPG-Action bietet.

Lasst mich in den Kommentaren wissen, ob euch Crow Country ähnlich begeistert hat wie mich!

Reviewbox
87%
Zusammenfassung
Zusammenfassung

Kein Survival-Horror Fan sollte sich diesen nostalgiegeladenen Titel entgehen lassen

Positives
klassisches Gameplay bombastische Stimmung Nostalgie Pur
Negatives
geringe Spieldauer wenige Herausforderungen keine Herausforderung für Veteranen
  • Grafik91%
  • Sound88%
  • Story83%
  • Gameplay84%

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